Öffentlicher Dienst

Personalnot: Berliner Behörden verlieren 32.000 Mitarbeiter

Pensionswelle in den kommenden sechs Jahren gefährdet die Arbeitsfähigkeit der Verwaltungen

Auf in den Ruhestand: Der Personalrückgang im öffentlichen Dienst in Berlin verläuft in einigen Behörden viel gravierender als angenommen. In den kommenden sechs Jahren scheiden insgesamt 32.000 Mitarbeiter aus dem öffentlichen Dienst altersbedingt aus. Das entspricht knapp einem Drittel der Beschäftigten – 28,5 Prozent. Derzeit sind noch 112.324 Mitarbeiter in den Haupt- und Bezirksverwaltungen beschäftigt.

Den größten Aderlass muss die Stadtentwicklungsverwaltung in den kommenden Jahren hinnehmen. Dort erreichen fast 40 Prozent der Mitarbeiter bis zum Jahr 2019 die Altersgrenze. Das geht aus einem Bericht der Finanzverwaltung über die „Beschäftigten im unmittelbaren Landesdienst Berlin“ hervor, der der Berliner Morgenpost vorliegt.

Überdurchschnittlich viel Personal verlieren auch die Bildungs-, Gesundheits- und Arbeitsverwaltung. Hier verlässt jeder dritte Mitarbeiter in den kommenden Jahren die Behörde. In einigen Abteilungen gehen sogar mehr als die Hälfte der Mitarbeiter bis 2019 in den Ruhestand. So verliert die Abteilung Sport in der Senatsinnenverwaltung 22 von 40 Mitarbeitern, im Brücke-Museum scheiden acht von 13 Mitarbeitern altersbedingt aus, und in der Abteilung Hochbau der Stadtentwicklungsverwaltung erreichen 67 von 130 Mitarbeitern die Altersgrenze. Die Berliner Polizei und auch die Justiz haben dagegen den Generationswechsel bereits in den vergangenen Jahren bewältigt. Die Quote derjenigen, die aus dem öffentlichen Dienst ausscheiden, liegt in den Polizeidirektionen und Gerichten mit deutlich unter 20 Prozent unter der Durchschnittsquote der sonstigen Berliner Verwaltung.

„Wir steuern in der öffentlichen Verwaltung auf einen Personalnotstand zu“, sagte der langjährige Vorsitzende des Berliner Beamtenbundes, Joachim Jetschmann, der Berliner Morgenpost. „Die öffentliche Verwaltung steht vor einem Kollaps“, kritisierte auch der Haushaltsexperte der Grünen-Fraktion, Jochen Esser. Denn die Ausbildungsquote füllt die Lücke, die durch die Pensionierungen entsteht, nicht auf. „Ohne Quereinsteiger wird es in den nächsten Jahren nicht gehen“, sagt Esser.

Der Senat hat in der vergangenen Woche zwar ein Personalbedarfskonzept beschlossen, konkrete Maßnahmen werden darin aber nicht erwähnt. Außerdem rechnet die Landesregierung mit einer Verschlankung der verwaltungsinternen Abläufe: „Aufgaben und Abläufe in Verwaltungen werden modernisiert, den jeweiligen Anforderungen angepasst und durch Einsatz moderner Kommunikationstechnik, zum Beispiel der E-Akte, vereinfacht“, heißt es in dem Konzept. Außerdem sollen Aufgaben ressortübergreifend gebündelt werden.

Die Pensionswelle stellt die Berliner Verwaltung vor große Probleme. Der Senat will die Zahl der Mitarbeiter zwar auf 100.000 senken, doch diese Zahl wird durch die Pensionierungen deutlich unterschritten, sollte nicht schnell umgesteuert werden. „Wir brauchen dringend eine Einstellungsoffensive, über den bestehenden Bedarf hinaus“, sagte Jetschmann. Schon in den vergangenen zehn Jahren wurden in den Berliner Behörden mehr als 30.000 Arbeitsplätze abgebaut. Dadurch wurde der Haushalt nach Angaben des Senats um 1,4 Milliarden Euro entlastet. 1990, im Jahr der deutschen Einheit, gab es noch 300.000 Menschen im öffentlichen Dienst in West- und Ost-Berlin.