Karaseks Woche

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Wenn Klimawandel und digitale Welt sich treffen

Donnerstag war Siebenschläfer, und wir fuhren mit dem Taxi zum Flughafen, um, was in meinem Alter schon mal vorkommt, zum 70. Geburtstag eines nahen, wenn auch angeheirateten Verwandten nach Südfrankreich zu fliegen. Auf dem Weg zum Flughafen, Außentemperatur 13 Grad, fing es zu nieseln an. Der Taxifahrer schaltete kurz die Scheibenwischer an. Und ich sagte in komischer Verzweiflung: „Regen an Siebenschläfer!“

Ob sich das gegenwärtige Wetter wohl noch nach dem Bauernkalender richtet? Sieben mal sieben Tage? Meine Frau sagte, sie habe diesbezüglich gelesen, dass es in den letzten zehn Jahren siebenmal gestimmt hätte. Dreimal aber nicht!

Später am Tage las sie mir einen Facebook-Eintrag vor, der höhnisch prophezeite: Nur noch 157 Tage Regen. Dann schneit es wieder!

Am Flughafen schlängelten sich die Passagiere zur Gepäckaufgabe. Meine Frau sagte: „Schau! Düsseldorf, da steht Verspätung! Hoffentlich schaffen wir den Anschluss nach Nizza. Könnte knapp werden.“ – „Und dann sind die Koffer wieder nicht dabei!“, sagte ich düster.

Am Schalter erledigten sich alle diesbezüglichen Sorgen. Die Maschine nach Düsseldorf sei defekt, der Flug gestrichen, sagte die Bodenstewardess und schickte uns zum Buchungsschalter. Dort tippte eine Kollegin heftig in ihren Rechner. Über Salzburg. Ausgebucht. Über Zürich. Ausgebucht. „Da, über München, das geht. Dort müssen Sie zweieinhalb Stunden warten.“ – „Da kommt der Koffer sicher mit“, sagte ich fröhlich.

Um 18 Uhr 10 waren wir in Nizza. Losgefahren waren wir um 8 Uhr. Und bei 13 Grad Celsius. Die Woche zuvor hatte Barack Obama in Berlin bei 36 Grad das Jackett ausgezogen und dann Angela Merkel geküsst und umarmt. Die Zeitungen schlossen daraus, dass er sie duze: You may say you to me! Frei nach Kohl und Thatcher.

Unter den Wartenden sah man Steinbrück mit hochrotem Kopf. Er hatte nicht einmal eine Zeitung als Sonnenschutz und drohte zu verdampfen. Wie hatte Müntefering einst gesagt: „Opposition ist Mist.“ Andererseits will Steinbrück in die Küche. Als Koch. Und das Sprichwort heißt: Wer in die Küche will, muss Hitze abkönnen! Aber auch verregnen darf er sich nichts lassen.

Hellmuth Karasek schreibt jeden Sonntag in der Berliner Morgenpost