Naturkatastrophe

Milliarden-Schäden: Angela Merkel sichert Flutopfern weitere Hilfe zu

Bundeskanzlerin besucht Wittenberge. Drastische Verspätungen für Berliner Bahnreisende

Bundesregierung und Opposition wollen die Folgen der Hochwasserkatastrophe mit Milliardenhilfen bekämpfen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) machte am Montag bei einem Besuch in Wittenberge an der Elbe deutlich, dass es nicht bei der Soforthilfe von 100 Millionen Euro bleiben werde. „Wir wissen natürlich, dass die Schäden in die Milliardenhöhe gehen werden“, sagte die CDU-Vorsitzende am Elbdeich. Am Donnerstag werde es dazu Gespräche mit den Länder-Ministerpräsidenten geben. „Der Bund wird da natürlich die Menschen nicht im Stich lassen.“ Es werde schnell und unbürokratisch geholfen.

Merkels Sprecher Steffen Seibert sagte: „Es wird auch wie 2002 eine Solidarität geben und eine große Hilfsbereitschaft des Bundes.“ Damals hatte der Staat ein Flutopfer-Solidaritätsgesetz in Kraft gesetzt, das über sieben Milliarden Euro zur Verfügung stellte. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück forderte ein Budget in ähnlicher Größenordnung, das sich Bund und Länder teilen könnten. Auch FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle machte sich für einen Fonds stark und schlug dafür Sondersitzungen von Bundestag und Bundesrat vor.

Bei ihrer Visite im Hochwassergebiet im Norden Brandenburgs lobte Merkel auch die Leistung der vielen Helfer im Kampf gegen die Fluten. Dabei hob sie besonders die Jugend hervor. Brandenburg habe Konsequenzen aus vorangegangenen Hochwassern gezogen. Es seien Deiche zurückverlegt und dem Fluss Raum gegeben worden.

Der Scheitelpunkt des Elbe-Hochwassers schob sich von Magdeburg aus weiter nach Norden. Die Pegelstände der Elbe lagen im brandenburgischen Wittenberge sowie in Lauenburg weiter nördlich bei bis zu neun Metern und damit rund fünf Meter über Normal. Tausende Helfer versuchen dort seit einer Woche fieberhaft, die Dämme zu stabilisieren. In Sachsen-Anhalt hat das Wasser einen Deich eingedrückt und den Ort Fischbeck geflutet. Die gut 600 Einwohner flohen. Durch den Deichbruch und die Überschwemmung wurde allerdings etwas Last von den Uferzonen weiter nördlich genommen.

Die Flut machte in der Nacht zum Montag die Bahn-Elbbrücke bei Magdeburg unpassierbar. ICE- und IC-Züge zwischen Berlin und Frankfurt sowie Hannover mussten umgeleitet werden. Zehntausende Reisende mussten Verspätungen von mehreren Stunden hinnehmen, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Auf einigen Verbindungen konnten Wolfsburg, Kassel, Hildesheim und Göttingen nicht mehr angefahren werden. Besonders überfüllt war Hannover, wo Strecken aus dem Süden und Umleitungen aus Berlin endeten. Reisende können laut Bahn auch am Dienstag noch nicht mit einer Freigabe der Brücke und Normalisierung des Verkehrs rechnen.

Die ostdeutsche Wirtschaft bleibt nach einer Prognose des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) wegen des Hochwassers in der Rezession stecken. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte von April bis Juni um 0,2 Prozent und damit das fünfte Quartal in Folge schrumpfen. Hilfsorganisationen beklagen unterdessen eine Zurückhaltung bei Spenden für die Flutopfer.

Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz, Caritas International, das Aktionsbündnis Deutschland hilft oder die Diakonie Katastrophenhilfe haben seit Beginn der Katastrophe vor einer Woche jeweils nur rund eine Million Euro an Spenden eingenommen – viel weniger als bei der Flut 2002. „Die Spenden fließen dieses Mal eher verhalten“, bilanzierte DRK-Sprecher Dieter Schütz.

Das Krisenmanagement in Stendal soll künftig vom Innenministerium aus geführt werden. Offiziell wird das damit begründet, dass das Ausmaß der Katastrophe so groß ist und so viel Koordinierung mit dem Nachbarland Brandenburg erfordert, dass das Land Sachsen-Anhalt dies besser selbst übernimmt. Doch es gab auch Kritik von Helfern in Brandenburg. Sie warfen dem Stendaler Krisenmanagement vor, nicht genügend Helfer einzusetzen und damit brandenburgisches Gebiet zu gefährden.