Naturkatastrophe

Brandenburg kämpft gegen die Flut

Pegel in Mühlberg liegt bei 9,88 Meter. Wasser sickert durch die Dämme. Magdeburg fordert 2000 Bundeswehrsoldaten an

Die Lage in Brandenburg hat sich weiter verschärft. Die Kleinstadt Mühlberg musste am Freitag wegen des Elbhochwassers zwangsgeräumt werden. „Die Stadt ist nicht mehr sicher“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Die Situation an den Deichen sei problematisch. Am Mittag hatte der Elbe-Scheitel die Stadt erreicht. Der Wasserstand lag um 12 Uhr bei 9,88 Meter, einen Zentimeter weniger als vier Stunden zuvor. Angelegt sind die Deiche dort auf zehn Meter Wasserhöhe. Der Druck auf die Dämme ist jedoch enorm, es gibt mehrere Sickerstellen. Taucher versuchten einen unterspülten Deich zu sichern.

Das gewaltige Elbehochwasser erreichte am Freitag auch Sachsen-Anhalt. In Magdeburg überstieg der Pegelstand den des Hochwassers von 2002. Drei Menschen kamen dort bisher beim Kampf gegen die Überflutungen ums Leben. Niedersachsen und Brandenburg rüsteten sich für die auf beide Länder zuströmenden Wassermassen, die im Süden und Osten bereits große Verwüstungen angerichtet haben. Noch bevor die Flutwelle den Norden erreicht hat, verlangten mehrere Ministerpräsidenten am Freitag von der Bundesregierung mehr Unterstützung. Das bisherige Angebot von 100 Millionen Euro reiche nicht aus.

Allein für die Wirtschaft werden sich die Flutschäden nach Befürchtungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) auf mehr als elf Milliarden Euro belaufen. Das Bundesagrarministerium bezifferte die Schäden in der Landwirtschaft mit bundesweit 173 Millionen Euro.

Bereits drei Menschen gestorben

In Magdeburg stieg das Hochwasser der Elbe deutlich schneller. Aktuelle Prognosen gingen von einem Höchststand von 7,30 Metern am Sonntag aus, sagte Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD). Am Freitagvormittag zeigte der Pegel in Magdeburg 7,11 Meter. Normal sind dort knapp zwei Meter. Beim letzten Hochwasser von 2002 waren es 6,72 Meter. Trümper sagte, es seien für Magdeburg 2000 zusätzliche Bundeswehrsoldaten angefordert worden. Auch die Berliner Feuerwehr unterstützt: Sie hat zwölf Löschhilfefahrzeuge und 72 Feuerwehrmänner in die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt geschickt, um im Kampf gegen das Hochwasser zu helfen. Wie ein Sprecher am Freitag mitteilte, sei dadurch der reguläre Dienst in Berlin „in geringem Maße eingeschränkt“. Der Hilfeeinsatz sei angesichts der bedrohlichen Lage in Magdeburg aber unerlässlich. Im Landkreis Anhalt-Bitterfeld waren 10.000 Menschen aufgerufen, ihre Wohnungen zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Dort versuchten Arbeiter mit schwerem Gerät ein Leck zu schließen, dass sich im aufgeweichten Erdreich zwischen zwei Seen gebildet hat. Durch die Arbeiten bestehe aber auch die Gefahr, dass sich das Loch vergrößert, hieß es. Dann könnte eine Flutwelle auf Bitterfeld zurollen. In Halle sank derweil der Druck auf die Dämme, blieb aber nach Angaben des Krisenstabs der Stadt enorm hoch. Bundesweit sind 70.000 Feuerwehrleute und mehr als 11.300 Bundeswehrsoldaten im Einsatz, teilte der Deutsche Feuerwehrverband und das Verteidigungsministerium mit.

Am Wochenende drohen Schauer

In Niedersachsen hoffen die Menschen: Nachdem die Prognosen für die höchsten Pegelstände zwei Tage in Folge nach unten korrigiert wurden, setzen jetzt viele Anwohner darauf, dass es für sie doch nicht so schlimm kommt wie befürchtet. Allerdings stieg dem Deutschen Wetterdienst zufolge am Freitagnachmittag die Neigung zu Schauern und Gewittern. Die Wasserstände könnten sich darum wieder leicht erhöhen. Regierungssprecher Steffen Seibert bekräftige am Freitag, dass die Bundesregierung bereit sei, auch mehr als die bislang zugesagte Summe an Soforthilfe für die Flutopfer bereitzustellen.