Naturkatastrophe

Flutwelle trifft Brandenburg

Die Angst vor dem Hochwasser wächst weiter. Entlang der Elbe drohen Deiche zu brechen – Hunderte Helfer im Einsatz

Das Hochwasser bedroht mit zerstörerischer Kraft den Norden Deutschlands. Bundesländer wie Niedersachsen und Brandenburg rüsten sich für die anrollenden Wassermassen, die bereits im Süden und Osten große Verwüstungen angerichtet haben. Mehrere Deiche drohen unter dem Druck des Wassers zu brechen. Das Hochwasser wird die Brandenburger wohl noch tagelang in Atem halten. Die von Süden ins Land drängenden Wassermengen drücken auf die Deiche. Innenminister Dietmar Woidke (SPD) schätzt die Situation schwieriger ein als bei der Jahrhundertflut 2002. „Mit jeder Stunde, die es länger dauert, wird es schwieriger werden“, sagte er. „Es ist eben nicht nur die Elbe, die kommt. Dieses Mal kommen alle Nebenflüsse mit großer Wucht mit dazu“, sagte Woidke.

Besonders kritisch ist die Lage derzeit in Bitterfeld und im brandenburgischen Mühlberg, wo nach Angaben der Landesregierung angesichts der in Richtung Norden fließenden Elbe-Flut mit Evakuierungen begonnen wurde. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) lobte die bisherige Hochwasserabwehr dennoch. „Die Zusammenarbeit läuft sehr gut“, sagte er am Donnerstagmorgen in einer Erklärung vor dem Landtag. „Da gibt es wenig Reibungsverluste.“ Inzwischen seien tausende Helfer im Einsatz, die Schlimmeres an Brandenburgs Flüssen verhindert hätten. „Es wird professionell gearbeitet.“ Das Land habe sich inzwischen abgewöhnt, von „Jahrhunderthochwassern“ zu sprechen. „Es sind keine einmaligen Ereignisse.“ Vielmehr kämen sie immer wieder.

Hunderte Helfer im Einsatz

Insbesondere an der Elbe herrschten dieses Mal spezielle Verhältnisse, die nicht mit denen von 2002 vergleichbar seien, betonte Platzeck. Damals habe man sich einigermaßen an den aus Tschechien gemeldeten Pegelständen orientieren können. Jetzt aber führten Nebenflüsse wie Mulde, Saale und Schwarze Elster selbst reichlich Wasser, was die Lage schwer berechenbar mache. Am Ende müsse alles durch die Prignitz im Nordwesten des Landes, auf die sich die Abwehrmaßnahmen in den kommenden Tage konzentrieren würden. Dort sichern Hunderte Helfer die Deiche. „Brennpunkte sind Wittenberge sowie ein Abschnitt, der südlich bis zur Ortschaft Bälow reicht“, sagte Prignitz-Landrat Hans Lange (CDU) am Donnerstag nach einer Sitzung des Krisenstabes.

Angesichts völlig durchweichter Deiche und überfluteter Ortschaften an der Elbe, der Donau und deren Nebenflüssen brachten die Behörden in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Brandenburg und Bayern Tausende Menschen in Sicherheit. Die SPD forderte im Bundestag einen Hilfsfonds mit einem Volumen von mehreren Milliarden Euro.

SPD fordert Milliardenfonds

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sicherte den betroffenen Regionen bei einem Besuch im Hochwassergebiet bei Bitterfeld in Sachsen-Anhalt erneut die Hilfe der Bundesregierung zu. „Es wird alles Menschenmögliche getan“, sagte sie. Besonders kritisch war die Lage in Halle in Sachsen-Anhalt, wo unter anderem ein Deich an der Saale zu brechen drohte. Dann würde der Stadtteil Halle-Neustadt mit 30.000 Bewohnern überflutet werden. Rund 1000 Menschen mussten ihre Häuser schon verlassen. „Die Deiche sind aufgeweicht“, erklärte Oberbürgermeister Bernd Wiegend (parteilos).

In Dresden erreichte der Elbe-Pegel nach Angaben der Stadt am Donnerstag seinen bisherigen Höhepunkt, sollte jedoch länger auf extremem Niveau bleiben. In einem Stadtteil wurden wegen der steigenden Wasserpegel Straßenzüge evakuiert. Etwa 800 bis 1000 Menschen seien vor Ort betroffen. Etwa 9000 Haushalte waren ohne Strom. Angesichts der dramatischen Schäden durch das Hochwasser forderte die SPD einen Hilfsfonds ähnlich wie nach der Jahrhundertflut an der Elbe von 2002. „Dieser Hilfsfonds wird mit mehreren Milliarden Euro ausgestattet sein müssen“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD im Bundestag, Thomas Oppermann.