Naturkatastrophe

Jahrhundert-Hochwasser in Brandenburg: „Mühlberg ist nicht mehr sicher“

Große Schäden nach der Flut in Ost- und Süddeutschland. Erste Städte müssen evakuiert werden. Platzeck vor Ort

Nach tagelangen Regenfällen hat sich das Hochwasser entlang Saale und Elbe nach Norden geschoben und richtete immer größere Schäden an. In Halle an der Saale verschärfte sich die Lage für Zehntausende Einwohner weiter. Auch an der Elbe in Sachsen stiegen die Pegelstände am Mittwoch weiter. In Niedersachsen bereiteten sich die Gemeinden an der Elbe auf die erwartete Flut vor. In Bayern blieb die Situation in einigen Regionen angespannt. Unterdessen drängte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) auf den weiteren Ausbau eines natürlichen Hochwasserschutzes. Aus Tschechien flossen derweil weitere Wassermassen heran, sodass der Scheitelpunkt noch immer nicht erreicht wurde.

Auch in Brandenburg stiegen die Wasserstände. Ein Ende war noch nicht in Sicht, und Prognosen erwiesen sich als schwierig. Für den gesamten Landkreis Elbe-Elster galt die höchste Alarmstufe 4. Bei Herzberg an der Schwarzen Elster brach am Mittwochmorgen auf 20 Metern Länge ein Deich. Menschen seien nicht in Gefahr, teilten die Behörden mit.

Mühlberg rief am Mittwochmorgen den Katastrophenalarm aus, am Abend wurde die Stadt evakuiert. „Die Sicherheit der Menschen ist nicht mehr zu gewährleisten“, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Mit „Achtung, Mühlberg ist nicht mehr sicher“, rief die Polizei mit Lautsprecherwagen die Bevölkerung dazu auf, sich bis 20 Uhr an den Sammelpunkten einzufinden. Betroffen waren etwa 2500 Menschen in der Altstadt und anderen tief gelegenen Ortsteilen. Insgesamt leben in der kleinen Elbestadt rund 4000 Menschen. Am Abend beging Platzeck den Deich in Mühlberg: „Ich bin heute Abend wesentlich ruhiger als vor 48 Stunden, hier ist richtig viel geleistet worden“, sagte der Ministerpräsident. Er erwarte den Scheitelpunkt der Flut allerdings erst für Freitag oder Sonnabend, „im Norden Brandenburgs kann es sicher noch acht, neun Tage dauern“.

Auch der Landkreis Prignitz rief für das Flussgebiet der Elbe den Katastrophenfall aus, teilte Landrat Hans Lange (CDU) mit. In Nordbrandenburg wird der Höhepunkt der Flutwelle am Wochenende erwartet. Am Pegel Wittenberge wird für Sonntag mit einer Rekordmarke von 7,50 Meter gerechnet. Das wären 14 Zentimeter mehr als beim jüngsten Hochwasser Ende Januar 2011. In Cottbus wurde am Nachmittag bei einem Pegelstand von 2,30 Meter die Alarmstufe 3 ausgerufen. Weil an der Talsperre Spremberg noch mehr Wasser in die Spree abgelassen wurde, strömte das Wasser besonders schnell durch die Stadt. Im Uferbereich bestehe Lebensgefahr, warnten die Behörden.

Die Hochwasserlage in Sachsen-Anhalt verschärfte sich ebenfalls. In Halle stieg die Saale auf ein Rekordhoch von 8,07 Metern, etwa 30.000 Menschen sollten ihre Häuser verlassen. Normalerweise liegt der Pegelstand dort bei knapp zwei Metern. Nach Angaben des Katastrophenstabs wurden große Teile der Stadt überflutet. In Bitterfeld brachte die Sprengung eines Deichs am Seelhausener See bislang nicht die erhoffte Entlastung.

In Bayern blieb die Hochwasserlage in einigen Regionen weiter angespannt. Besonders dramatisch war die Situation nach wie vor im niederbayerischen Landkreis Deggendorf, wo rund 5000 Menschen ihre Häuser verlassen mussten. Für sie wurden Notunterkünfte eingerichtet. In Straubing wurden am Mittwoch ebenfalls Evakuierungsmaßnahmen getroffen.

Angesichts der Hochwasserkatastrophe forderte Bundesumweltminister Altmaier (CDU) den weiteren Ausbau eines natürlichen Hochwasserschutzes. „Wir werden natürlich nicht ohne Deichbauten auskommen“, sagte er in Berlin. Die Menschen müssten „den Mut haben“, der Natur und den Flüssen „ihren Raum zu lassen“.