Flugverkehr

600 Millionen Euro werden für die Nachnutzung von Tegel investiert

Fördermittel von Bund und Land. Doch die BER-Verzögerung schreckt potenzielle Interessenten ab

- Die Pläne für die Nachnutzung des innerstädtischen Flughafens Tegel nehmen langsam Form an. Insgesamt 600 Millionen Euro sollen in den kommenden 20 bis 30 Jahren für die Entwicklung Tegels zu einem Industrie- und Wissenschaftsstandort ausgegeben werden. Flughafenchef Hartmut Mehdorns Vorstellung, Tegel möglicherweise bis 2018 am Netz zu lassen, erscheinen da in einem anderen Licht. Denn das Geld für die Nachnutzung ist vorhanden. Damit ist eine wichtige Voraussetzung für die Zukunft Tegels geschaffen.

Der Senat hat vor einem Monat den Masterplan TXL beschlossen. 152 Millionen stellt das Land für Tegel bereit. Hinzu kommen eine Viertelmilliarde Wirtschaftsfördermittel des Bundes und der EU, für die die Wirtschaftsenatorin Cornelia Yzer (CDU) schon eine grundsätzliche Zusage gegeben hat. Der Behörde kommt das Großprojekt gelegen. Zuletzt hatte es die Berliner Wirtschaftsverwaltung oft nicht geschafft, das bereit stehende Geld auch auszugeben. Knapp 200 Millionen Euro soll das Projekt als Eigenbeitrag aus Vermietung, Verpachtung und Verkäufen von Grundstücken beisteuern. Mit diesen in der Summe 600 Millionen Euro soll die Entwicklung für die nächsten 20 bis 30 Jahre bezahlt werden. Hinzu sollen natürlich noch private Investitionen kommen.

Das größte Projekt sei ein deutsches Industrieunternehmen gewesen, das 20 Hektar brauchte. „Dieses konkrete Projekt ist durch den Verzug gestorben“, sagt Philipp Bouteiller, Chef der Tegel Projekt GmbH. Denn ohne festen Termin ließen sich keine verbindlichen Verhandlungen über Ansiedlungen führen. Insgesamt seien drei Interessenten abgesprungen. Aber man halte Kontakt, sagt Bouteiller, vielleicht werde es später etwas. Die Vorläufe eines größeren Industrieprojektes seien eben zwei Jahre, weiß der frühere Berater, der auch selbst als Unternehmer tätig war. Wenn also im Sommer der Zeitplan für den Wechsel des Flugverkehrs von Tegel nach Schönefeld zum BER festgelegt wird, dann könnte die Tegel Projekt Nägel mit Köpfen machen. „Ich kann keine ernsthaften Gespräche führen, ehe ich nicht alle Zusagen geben kann“, sagt Bouteiller. Bis dahin kann er nur an der Qualität des Standortes arbeiten.

Der Standort sei potenziell begehrt, berichtet Philipp Bouteiller. Ehe im Mai 2012 die BER-Eröffnung abgesagt wurde, lagen 70 bis 80 Anfragen vor. Je näher der Eröffnungstermin kam, desto größer sei die Frequenz der Anfragen gewesen. Passend zum Profil der „Urban Tech Republic“ waren etwa 30. Denn eine Spedition oder ein Möbellager will man in Tegel nicht. „Damit könnte ich das Gelände sofort voll machen“, sagte Bouteiller. Autobahnanschluss, 80 Hektar Platz, City-Nähe, die Grundbedingungen sind gut. Um die Qualität hoch zu halten, gibt es eine Kriterienkatalog, wer nicht reinpasst, hat keine Chance. Im Jahr 2013 werden für die Vorarbeiten und Planungen 7,2 Millionen Euro ausgegeben. Die Verzögerungen haben aber auch einen positiven Effekt: Weil das ganze Projekt später startet, wurden insgesamt 5,5 Millionen Euro gespart.