Demonstration

Küssen verboten!

Anti-Kuss-Protest in Ankara: Religiöse Aktivisten greifen mit Messern an

Aus Protest gegen die schleichende Islamisierung der Gesellschaft und gegen Moralappelle in der U-Bahn haben Bewohner der türkischen Hauptstadt Ankara in aller Öffentlichkeit zu einer „Kuss-Aktion“ aufgerufen.

Wie die Zeitung „Hürriyet“ am Sonntag online berichtete, versammelten sich rund 300 Menschen nach einem Aufruf in sozialen Netzwerken vor der U-Bahn-Station Kurtulus, wo sie bereits von der Polizei und Gemeindebeamten erwartet wurden. Als den Demonstranten der Zutritt zum Bahnsteig verwehrt wurde, begannen etliche Paare damit, sich an Ort und Stelle und in aller Öffentlichkeit zu küssen. Der Unmut der Protestierer hatte sich an Durchsagen in der U-Bahn entzündet, in denen die Fahrgäste aufgerufen worden waren, „sich der Moral entsprechend zu verhalten“.

Die im Vorfeld bekannt gewordene Protestaktion hatte auch Gegendemonstranten auf den Plan gerufen, darunter Mitglieder der Jugendorganisation von Erdogans Regierungspartei. Diese hätten ebenfalls in sozialen Netzwerken unter dem Motto „Keine Schweinereien in der U-Bahn“ mobilisiert, schrieb „Hürriyet“. Als sich die Teilnehmer der Protestaktion küssten, riefen etwa 20 Islamisten „Allah Akbar“ (Gott ist groß) und gingen ungeachtet der anwesenden Polizisten mit Messern auf einige Demonstranten los. Auch als das Happening bereits beendet war, hätten sie einige der Kuss-Aktivisten verfolgt und Jugendliche mit Messerstichen verletzt.