Verdienstgrenze

Revolution in der Schweiz

Top-Manager sollen nur noch zwölf Mal so viel verdienen wie Angestellte

Die Debatte über gerechte Löhne spitzt sich in der Schweiz zu. Nachdem die Eidgenossen im März mit 68 Prozent die „Abzocker-Initiative“ angenommen haben, dürfen Aktionäre von Schweizer Firmen künftig in den Hauptversammlungen verbindlich über die Höhe der Vorstandsgehälter abstimmen.

Die Schweizer Jungsozialisten, die Sozialdemokraten (SP), die Grüne Partei der Schweiz (GPS) und Gewerkschaften wollen jetzt die Welle der Empörung über zu hohe Managergehälter nutzen und im November dieses Jahres einen weiteren Abstimmungserfolg mit der „1:12-Initiative für gerechte Löhne“ erzielen. Diese Initiative fordert, dass der Manager mit der höchsten Jahresvergütung maximal zwölf Mal so viel verdienen darf wie der am schlechtesten bezahlte Mitarbeiter im selben Betrieb. Die Initiatoren wollen diese Lohnbandbreite von 1:12 in der Verfassung verankern.

Eine Annahme der 1:12-Initiative würde die Millionengehälter der Führungsetagen von Konzernen wie der Großbank UBS, dem Schokoladenhersteller Lindt oder der Uhrengruppe Swatch in Zukunft verbieten. Das durchschnittliche Verhältnis von Höchst- zu Tiefstlohn liege derzeit bei 1:56, wobei Unternehmen wie der Basler Pharmakonzern Novartis in der Vergangenheit auf Verhältnisse von 1:720 kamen. In Deutschland dürfte die Mehrheit der Dax-Vorstände mit Gehältern im Millionenbereich ebenfalls auf Verhältnisse von 1:100 und darüber kommen.

Die Schweizer Wirtschaftsführer wollen einen erneuten staatlichen Eingriff in ihre Vergütungsregeln mit allen Mitteln abwenden und drohen schon damit, ihre Firmensitze ins Ausland zu verlegen, sollte die Initiative angenommen werden. Nach aktuellen Umfragen von Schweizer Zeitungen befürworten 49,5 Prozent der Schweizer Stimmberechtigten die 1:12-Initiative. In Deutschland wird die Entwicklung in der Schweiz aufmerksam verfolgt. Während die Linke die Initiative begrüßt, lehnen FDP und die Union einen solchen Weg ab.