Stadtplanung

Tegel soll bis 2018 offen bleiben

BER-Chef Mehdorn will Ersatz-Startbahn. Widerstand im Aufsichtsrat, Angst vor neuen Flugrouten

Flughafenchef Hartmut Mehdorn will Tegel noch fünf Jahre und damit deutlich länger als bislang geplant in Betrieb lassen. An dem innerstädtischen Flughafen sollen laut Mehdorn auch im Jahr 2018 Maschinen starten und landen können. Das sei notwendig, wenn die nördliche der beiden Start- und Landebahnen am neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld saniert wird, sagte Mehdorn bei der BER-Sondersitzung des Brandenburger Landtags. Man müsste die Bahn nämlich schließen, wenn sie während des laufenden Betriebs am BER saniert werden soll. „Aber mit einer Landebahn kommen Sie da nicht aus“, so Mehdorn.

Damit stößt Mehdorn aber bereits im Aufsichtsrat auf entschiedenen Widerstand. „Der Beschluss ist: Tegel macht zu“, sagte Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov (Die Linke) „Da kann Herr Mehdorn jetzt dreimal sagen, es leuchtet ihm nicht ein.“ Brandenburgs Ministerpräsident und BER-Aufsichtsratschef Matthias Platzeck (SPD) war bei der Sitzung nicht dabei. Auch Air-Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer äußert sich skeptisch bezüglich einer Teileröffnung des BER. „Air Berlin gibt es in einem Flughafen, aber dann als Ganzes“, sagte Prock-Schauer. Damit kritisierte er die Pläne seines Amtsvorgängers Mehdorn, der seit März Chef der Flughafengesellschaft ist. Prock-Schauer betonte, dass das Geschäftsmodell auf einem einzigen Berliner Flughafen beruhe. Sollte sich Mehdorn allerdings durchsetzen und den BER etappenweise und mit Unterstützung des Flughafens Tegel ans Netz bringen, drohen nach Ansicht des Flughafenexperten Dieter Faulenbach da Costa neue Verzögerungen. „Bei zwei parallel betriebenen Flughäfen in einem Luftraum müsste die Deutsche Flugsicherung die Nutzung des Luftraums neu planen“, sagte Faulenbach da Costa. Die für den Flughafen BER veröffentliche Luftraumnutzung gehe von der Stilllegung des Flughafens Tegel aus. „Sicher ist, dass mit der für den Flughafen BER veröffentlichten Flugverfahren und dem Betrieb am Flughafen BER der Flughafen Tegel nicht mehr betrieben werden kann“, so Faulenbach da Costa, der in der Vergangenheit auch schon die BER-Gegner beraten hat.

Eine neue Luftraumnutzung müsste mit den beiden Fluglärmkommissionen Tegel und Schönefeld sowie dem Umweltbundesamt, abgestimmt werden. Das dürfte sich laut Faulenbach da Costa bis zu eineinhalb Jahre lang hinziehen, so dass der BER schon allein aus diesem Grund nicht vor 2015 genützt werden könnte. Zudem würde ein neues Luftraumkonzept die Lärmbetroffenheit am Flughafen BER dramatisch verändern, so dass neuen Schallschutzplanungen für die Anwohner erforderlich würden.

Wegen der mehrfach verschobenen BER-Eröffnung sind offenbar Haftungs- beziehungsweise Schadensersatzansprüche gegen die ehemaligen Geschäftsführer möglich. Nach Informationen der Berliner Morgenpost hat dies eine rechtliche Prüfung im Auftrag des Aufsichtsrats ergeben. Dies würde bedeuten, dass die ehemaligen Flughafengeschäftsführer Rainer Schwarz und Manfred Körtgen mit Forderungen der Gesellschaft konfrontiert werden können. „Es ist davon auszugehen, dass Haftungsansprüche nicht auszuschließen sind“, sagte Finanzminister Markov. Zur Höhe und dazu, ob sie geltend gemacht werden, sagte Markov nichts. Anwälte und eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft waren beauftragt worden, die Haftungsfragen zu klären. Ein schriftliches Gutachten gibt es laut Markov noch nicht.