Handel

Shoppen in Berlin: Friedrichstraße schlägt erstmals den Tauentzien

Neue Studie: Deutlich mehr Passanten sind auf der Einkaufsmeile im Bezirk Mitte unterwegs

Einzelhändler, deren Geschäfte sich an der Friedrichstraße im Abschnitt zwischen den U-Bahnhöfen Französische Straße und Friedrichstraße befinden, können sich freuen: Wie aus einer Untersuchung des Maklerhauses Engel & Völkers hervorgeht, die der Berliner Morgenpost exklusiv vorliegt, passieren diesen Abschnitt der Einkaufsmeile erstmals mehr Menschen als die Tauentzienstraße, die langjährige unangefochtene Nummer eins unter Berlins Geschäftsstraßen. Insgesamt können sich Berlins Einzelhändler außerdem als Sieger fühlen: „Trotz der immer größer werdenden Konkurrenz durch den Internethandel stemmen sich Berlins Einzelhändler äußerst erfolgreich gegen den allgemeinen Trend“, sagt Nicolas Jeissing, Geschäftsführer von Engel & Völkers Commercial.

Aus der Erhebung der sogenannten Passantenfrequenzzahlen 2013 geht hervor, auf welcher der sieben wichtigsten Einkaufsstraßen Berlins sich die meisten Menschen aufhalten. Diese Zahlen helfen nicht nur dabei, die wirtschaftlichen Chancen der Geschäfte einzuschätzen, sondern haben auch Einfluss auf die künftige Miete, die den Unternehmern abverlangt wird. Ermittelt wird die Frequenz in Berlin auf der Friedrichstraße, am Kurfürstendamm, auf der Schloßstraße, am Alexanderplatz, auf der Wilmersdorfer Straße, der Tauentzienstraße und am Hackeschen Markt. Dabei wurde jeweils an einem Dienstag und an einem Sonnabend im April die Zahl der Passanten erfasst, die binnen einer Stunde einen bestimmten Kontrollpunkt passierten. Am Zähltag Dienstag, den 23.April, wurde dabei der Tauentzien vom Sockel gestoßen: 4385 Menschen passierten dort den Kontrollpunkt auf Höhe der Nürnberger Straße und damit etwas mehr als im Vorjahr (4115). Auf der Friedrichstraße waren es dagegen rekordverdächtige 6446 Passanten (2012: 4079).

„Anders als von vielen Unternehmern befürchtet erweist sich die Baustelle der Berliner Verkehrsbetriebe als wahrer Glücksfall“, so Jeissing. Da die U-Bahn-Linie U6 zwischen den Stationen Friedrichstraße und Französische Straße seit August 2012 für den Neubau des Kreuzungsbahnhofs Unter den Linden unterbrochen ist, müssen dort alle Passagiere aussteigen und die 500 Meter lange Strecke an den Geschäften vorbei zu Fuß zurücklegen. Die Unterbrechung der U6 soll im Herbst dieses Jahres abgeschlossen sein. Laut Jeissing wird die Spitzenmiete deshalb auch 2013 unverändert bei 170 Euro pro Quadratmeter Handelsfläche liegen. Stabil bleiben auch die Mieten am Hackeschen Markt (120 Euro), am Alexanderplatz (180 Euro), auf der Wilmersdorfer Straße (90 Euro) und an der Schloßstraße (100 Euro). Anders am Tauentzien und Kurfürstendamm: „Aufgrund der starken Nachfrage nach Einzelhandelsflächen in der City West werden die Mieten dort erneut steigen“, sagt Jeissing. So werde die Spitzenmiete am Tauentzien von 250 auf 260 Euro steigen. Am Kurfürstendamm müssen bis zu 210 statt wie im Vorjahr 200 Euro pro Quadratmeter gezahlt werden.

Insgesamt habe sich Berlin als stabiler Standort erwiesen, so der Experte. Die Einzelhandelsumsätze hätten sich kontinuierlich nach oben entwickelt. Jeissing führt das vor allem auf zwei Faktoren zurück: „Auch wenn der E-Commerce zweistellige Zuwachsraten vermeldet, wird das Abwandern der Kundschaft zu den Online-Shops in Berlin durch die vielen Touristen und die stark wachsende Bevölkerung mehr als kompensiert.“ Damit habe sich der Berliner Einzelhandel günstiger als der Bundesdurchschnitt entwickelt. „Die Hauptstadt ist eines der populärsten Städtereiseziele Europas. Der damit verbundene Shoppingtourismus stellt die treibende Kraft für die steigenden Einzelhandelsumsätze dar“, sagt Jeissing.