Medizin

Die Wunderspritze für ein langes Leben

Mäuse leben nach einer Behandlung 20 Prozent länger und sind gesünder

Forscher am Albert Einstein College of Medicine in New York haben entdeckt, dass das Molekül NF-kB im Gehirn von Mäusen die Lebenserwartung der Tiere stark beeinflusst. Es ist im Hypothalamus an der Übersetzung von genetischer Information in Proteine beteiligt und spielt eine große Rolle bei Entzündungen und der Reaktion des Körpers auf Stress. Zunächst fanden die Forscher heraus, dass die NF-kB-Moleküle mit zunehmendem Alter der Tiere immer aktiver werden. Sollte sich der Alterungsprozess also vielleicht verlangsamen lassen, wenn man NF-kB in seiner Aktivität bremst? Das Team um den Physiologen Dongsheng Cai machte ein Experiment. Einer Gruppe von Mäusen wurde eine Substanz gespritzt, die NF-kB deaktiviert, eine weitere Gruppe erhielt indes ein Präparat, das die Aktivität des Moleküls stimuliert, und eine Kontrollgruppe blieb unbehandelt. Das Resultat war eindeutig. Bei den Tieren der ersten Gruppe stieg die Lebensdauer im Vergleich zur Kontrollgruppe im Mittel um 23 Prozent. Mehr noch: Die lebensverlängernde Spritze machte die Tiere außerdem gesünder. Tiere mit gesteigerter NF-kB-Aktivität starben hingegen früher als die nicht behandelten Mäuse.

Lässt sich das Ganze auf den Menschen übertragen? Und wird es eine Wunderspritze geben, die das Leben um rund 20 Jahre verlängert und dabei bessere Gesundheit schenkt? Die Forscher zeigen sich optimistisch. „Die Entdeckung ist ein Durchbruch“, frohlockt David Sinclair von der Harvard Medical School, und Richard Miller von der University of Michigan sieht die ersten Anwendungen bei der Therapie altersbedingter Krankheiten wie Arthritis, Diabetes und Alzheimer.