Fluggesellschaften

Rote Lippen auf dem Index

Turkish Airlines verbietet ihren Stewardessen ein auffälliges Make-up

Nachdem bereits die sehr schlichten Entwürfe für neue Uniformen der Flugbegleiterinnen heftig kritisiert wurden, gerät Turkish Airlines nun schon wieder in die Schlagzeilen. Gegenstand der Kritik sind jetzt allerdings nicht die züchtigen Kostüme der Stewardessen, die an das osmanische Zeitalter erinnern und sich damit bewusst von der westlichen Kultur abwenden, sondern die neuesten Make-up-Vorschriften der Airline. Sie zeigen, dass die zunehmende Islamisierung der Türkei inzwischen auch die Luftfahrt erreicht hat.

Dem weiblichen Bordpersonal soll es laut einer internen Vorschrift künftig verboten sein, roten oder rosafarbenen Lippenstift zu verwenden. Auch andere auffällige Farbtöne, beispielsweise Lila, sind den Stewardessen der Fluggesellschaft untersagt – ebenso wie etwa Nagellack in Pink. Eine weitere Regel schreibt dem weiblichen Personal sogar vor, wie es seinen Eyeliner zu verwenden hat. Das ist noch nicht alles: Auch Hochsteckfrisuren in Duttform und unnatürliche Haarfarben sind verboten. Für den Fall, dass sie nicht über eine „natürliche“ Haarfarbe verfügen, könnte auch das zum Problem werden. Mit Perücken dürfen sich die Flugbegleiterinnen dann aber nicht behelfen – die sind nämlich ebenfalls untersagt. Dass auch Tätowierungen tabu sind beziehungsweise nicht zur Schau gestellt werden dürfen, versteht sich da fast von selbst.

Was ist überhaupt erlaubt? „Bei den Mitarbeiterinnen wird ein einfaches, gepflegtes Auftreten erwartet, mit Schminke in Pastellfarben“, erklärt Turkish Airlines – und nennt auch gleich die Gründe für die neue Anweisung: Auffällige Farben tauchten in der Stewardessen-Uniform nicht auf und störten deswegen das Erscheinungsbild. Das „sanfte“ Make-up verbessere dagegen die Kommunikation mit den Fluggästen, und Turkish Airlines sei ja eine Fluglinie, „die bestrebt ist, die Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit ihrer Kultur mit modernem Empfindungsvermögen zu vereinbaren“.

Was die türkische Fluglinie ansonsten unter „modernem Empfindungsvermögen“ versteht, hat sie erst vor wenigen Wochen gezeigt: Da hatte Turkish Airlines den Ausschank von Alkohol auf Inlandsflügen verboten – angeblich wegen mangelnder Nachfrage.