Ermittlungen

Berliner Baby mit Morphium vergiftet

Ein 23-Jähriger soll den Jungen getötet haben. Unklar ist noch, woher das Opiat stammt

Die Ermittlungen zum Tod eines acht Monate alten Säuglings vor einer Woche haben jetzt erschreckende neue Erkenntnisse erbracht. Eine Obduktion der Leiche ergab, dass der kleine Junge durch Morphium starb. „Das Kind hat eine absolut tödliche Menge des Giftes in den Mund erhalten“, sagte Martin Steltner, der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft.

Das Ergebnis der rechtsmedizinischen Untersuchung lag bereits am Donnerstag vor, noch am Abend des gleichen Tages wurde André S., der Lebensgefährte der Mutter des getöteten Kindes, festgenommen. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler soll S. dem kleinen Jungen die tödliche Dosis verabreicht haben, weil er mit der Versorgung des schreienden Kindes offenbar völlig überfordert war. Die 19-jährige Mutter war zum Zeitpunkt des grauenhaften Vorfalls nicht zu Hause. Unklar ist derzeit noch, wie der 23-Jährige an das Morphium gelangte. Gegen ihn wurde inzwischen Haftbefehl wegen Totschlags erlassen.

„Wir hatten in Berlin schon alles, Babys wurden an die Wand beziehungsweise aus dem Fenster geworfen, man hat sie zu Tode geschüttelt oder schlicht verhungern lassen. Aber einem Säugling Morphium zu verabreichen, das stellt alles andere in den Schatten“, sagte am Freitag ein sichtlich fassungsloser Ermittler.

Bereits am Freitag der vergangenen Woche hat André S. aus der Wohnung seiner Lebensgefährtin an der Weverstraße in Spandau die Feuerwehr alarmiert. Den Rettungskräften teilte er mit, der kleine Sohn seiner Lebensgefährtin Ajlin S. liege regungslos in seinem Kinderbett. Der kurz darauf eintreffende Notarzt konnte nur noch den Tod des Säuglings feststellen. Die ersten Untersuchungen der Kriminalpolizei und eines Rechtsmediziners in der Wohnung des jungen Paares ergaben keine Hinweise auf eine Straftat. Die Staatsanwaltschaft ordnete daraufhin eine Obduktion der Leiche an, deren schockierendes Ergebnis nun vorliegt.

Laut einem Bericht der „BZ“ fanden die Gerichtsmediziner bei der Untersuchung der Leiche ein Fentanyl-Pflaster im Körper des Säuglings. Die Pflaster, deren Wirkstoff etwa 120 Mal so stark ist wie das aus Opium gewonnene Morphin, werden etwa Krebskranken als Schmerzmittel verschrieben und unterliegen dem Betäubungsmittelgesetz. Drogenabhängige fischen benutzte Pflaster aus dem Krankenhausmüll, kochen sie dann zum Spritzen aus. Nach dem Ergebnis der Obduktion übernahm eine Mordkommission die Ermittlungen. Am Donnerstagabend gegen 18Uhr nahmen Beamte André S. am Bahnhof Spandau fest und brachten ihn zur weiteren Vernehmung in die Keithstraße.

Der 23-Jährige wurde am Freitag einem Ermittlungsrichter zum Erlass eines Haftbefehls vorgeführt. Eine Entscheidung darüber lag bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht vor. Am Freitag erschienen erneut Ermittler und Beamte der Spurensicherung in der Wohnung der jungen Familie an der Weverstraße. Der tragische Fall in Spandau ist bereits der dritte dieser Art in Berlin innerhalb weniger Wochen. Der Mord an einem Säugling, der in einer Grünanlage in Hohenschönhausen gefunden wurde, ist inzwischen aufgeklärt. Nach der Mutter eines Babys, das in einem Kleidercontainer in Neukölln entdeckt wurde, sucht die Polizei bislang vergebens.