Gesundheit

Studie: Psychische Probleme in Berlin nehmen drastisch zu

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Christina Brüning

Fast ein Viertel mehr Fehltage 2012, doppelt so hoher Anstieg wie im Vorjahr. Vor allem Depressionen

Patienten in Berlin kommen immer häufiger mit der Diagnose einer psychischen Erkrankung vom Arztbesuch. Seit dem Jahr 2000 hat die Zahl der Arbeitsfehltage wegen psychischer Probleme um 24 Prozent zugenommen. Das hat die Auswertung von Patientendaten der Krankenkasse DAK ergeben, bei der in Berlin rund 240.000 Menschen versichert sind. Das Ergebnis fällt um so deutlicher aus, als im gleichen Zeitraum in den vergangenen zwölf Jahren die Zahl der Fehltage bei den Versicherten insgesamt um 19Prozent gesunken ist.

„Wir haben es hier mit einer beispiellosen Entwicklung zu tun“, sagte Astrid Fricke, Leiterin des DAK-Regionalzentrums in Berlin, am Mittwoch. Diese Entwicklung zeige sich jedoch nicht nur in Berlin, sondern auch im gesamten Bundesgebiet. Im Bundesdurchschnitt nahm die Zahl der Arbeitsausfälle wegen seelischer Probleme seit dem Jahr 2000 sogar um 85 Prozent zu. In Berlin falle die Steigerung vergleichsweise niedriger aus, weil die Hauptstadt schon von einem hohen Niveau komme, hieß es. Schon im Jahr 2000 kamen auf 100 Versicherte in Berlin 201 Fehltage wegen psychischer Erkrankungen – damals waren es im Bundesschnitt nur 110 Fehltage. Im vergangenen Jahr lag die Zahl in Berlin dann bei 249 Fehltagen, im Bund bei 203 Tagen. Der Bundesschnitt hat sich damit dem hohen Berliner Wert angenähert.

Die Frage, ob heutzutage wesentlich mehr Menschen psychische Probleme haben als noch vor einigen Jahren, beantwortet die DAK dennoch mit Nein. Unter Hinweis auf entsprechende Studien des Robert-Koch-Institutes hieß es, psychische Erkrankungen seien verbreitet, aber es gebe keine erhebliche Zunahme. Stattdessen erklärt sich die DAK den starken Anstieg bei den Fehltagen dadurch, dass Diagnosen anders gestellt werden. Sei ein Patient vor Jahren noch wegen chronischer Rücken- oder Magenschmerzen krankgeschrieben worden, werde dies heute öfter als Symptom einer psychischen Erkrankung gewertet. Es gebe also eine Verschiebung bei den Krankschreibungen. „Ein wesentlicher Grund für die häufigere Diagnose ist auch, dass Betroffene und Ärzte inzwischen mit seelischen Leiden anders umgehen“, sagte Fricke. Am häufigsten würden Depressionen bei den Patienten festgestellt.

Auf Platz eins der häufigsten Erkrankungen liegen jedoch nach wie vor Probleme mit dem Muskel-Skelett-System, also etwa Bandscheibenvorfälle oder Gelenkschäden. Gut 21 Prozent aller Krankschreibungen in Berlin fielen 2012 in diesen Bereich. Auf Platz zwei folgen die Atemwegserkrankungen, auf dem dritten Rang liegen dann bereits die psychischen Probleme. Diese drei Krankheitsbereiche sind die Ursache für mehr als die Hälfte aller Krankschreibungen. Die Werte der DAK entsprechen denen ähnlicher Auswertungen, wie etwa denen des Gesundheitsberichts der Gesundheitsverwaltung.

Der Krankenstand insgesamt liegt in Berlin leicht über dem Bundesschnitt. 2012 waren täglich im Durchschnitt 4,3Prozent der Berliner krank (Bund 3,8Prozent). Der Wert liegt leicht unter dem des Vorjahres. Am häufigsten sind Arbeitnehmer in der öffentlichen Verwaltung krankgeschrieben, hier liegt der Krankenstand bei 5,9 Prozent.