Wirtschaft

Berliner verdienen wieder mehr: Löhne um 2,8 Prozent gestiegen

Studie belegt den wirtschaftlichen Aufstieg der Stadt. Vor allem der Dienstleistungssektor profitiert

Die Berliner Arbeitnehmer haben deutlich mehr Geld verdient als noch vor einigen Monaten. Besonders im weit gefächerten Dienstleistungssektor stehen die Menschen in der Hauptstadt besser da als früher. Im Durchschnitt sind die Bruttomonatsverdienste über alle Branchen und Arbeitsformen im vergangenen Jahr Jahr um 2,8 Prozent gestiegen. Das sind 0,3 Prozentpunkte mehr als in ganz Deutschland. Jeder Beschäftigte erhielt nach Angaben des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg 2954 Euro monatlich. Damit liegt die Hauptstadt aber noch unter dem Bundesniveau von 3391 Euro.

Industrieunternehmen zahlen traditionell besser als Dienstleistungsbetriebe, wo Reinigungs- oder Gastronomiebetriebe den Durchschnitt nach unten ziehen. Berliner mit einem Job im produzierenden Gewerbe erhielten brutto im Monat 3644 Euro. In Service-Berufen belief sich der Verdienst im Durchschnitt von Vollzeit-, Teilzeit- und geringfügig Beschäftigten auf 2848 Euro. Frauen bringen dabei deutlich weniger Geld nach Hause als Männer. Vollzeitbeschäftigte Frauen verdienten monatlich 3246 Euro, Männer fast 600 Euro mehr.

In der Berliner Industrie sind die Verdienste sogar geringfügig gesunken, nämlich um 0,4 Prozent. Das liegt offensichtlich daran, dass die Unternehmen im Angesicht der Wirtschaftskrise Sonderzahlungen reduziert haben, die in den Bruttomonatsverdienst einfließen. Im Dienstleistungssektor hingegen stiegen die Verdienste überproportional um 3,8 Prozent. Weil mehr Berliner im Dienstleistungsbereich als in der Industrie arbeiten, zieht dieser Wert den Durchschnitt nach oben. Damit verzeichneten viele Berliner deutlich steigende Reallöhne. Die Inflationsrate in der Hauptstadt lag mit 2,4 Prozent deutlich niedriger als der Anstieg der meisten Löhne.

Experten sehen in dieser Tendenz auch ein Spiegelbild der jüngeren Entwicklungen der Berliner Wirtschaft. Das Verdienstniveau steigt auch, weil nicht nur niedrig bezahlte Jobs etwa im Tourismus entstehen, sondern auch hoch spezialisierte Service-Angebote für den globalen Markt wachsen. „Die boomende Software-Branche spielt wahrscheinlich eine Rolle“, sagte Christian Hoßbach, stellvertretender Vorsitzender der DGB-Landesbezirks Berlin-Brandenburg. Auch bei den Tarifabschlüssen „hatten wir in der Breite ein relativ gutes Jahr“, stellte der Gewerkschafter fest.

Bemerkenswert entwickelt haben sich die Verhältnisse am unteren Ende der Skala. So wuchsen die Verdienste der Teilzeitbeschäftigten – das ist in Berlin jeder vierte Arbeitnehmer – um 3,4 Prozent. Das erklärt sich nur teilweise mit der um 1,3 Prozent auf 26,7 Stunden gestiegenen Arbeitszeit. Die 6,8 Prozent der geringfügig Beschäftigten verdienten im vergangenen Jahr 296 Euro monatlich, das sind 12,2 Prozent mehr als 2011. Die Zahl der Minijobber ging um ein Prozent zurück.

Das allmählich steigende Einkommensniveau, das mit einem Wachstum der sozialversicherungspflichtigen Jobs einhergeht, dürfte nach Ansicht von Wissenschaftlern anhalten. In einem neuen Städteranking des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut HWWI und der Berenberg Bank verbesserte sich Berlin auf Rang fünf. Vorne liegt Frankfurt/Main vor München, Bonn und Düsseldorf. Die Untersuchung misst die Zukunftsfähigkeit eines Standortes. Kriterien sind unter anderem Wirtschaftskraft, Bevölkerungsentwicklung, Internationalität, Erreichbarkeit und Bildungsstand. 2010 lag die Hauptstadt noch auf Platz acht. Besonders deutlich wird der Aufstieg aber in der Perspektive von fünf Jahren: 2008 landete Berlin noch auf dem 24. Platz.