Extremismus

Islamisten planten offenbar Rache für NSU

Verfassungsschutzchef hält gezielte Vergeltung für möglich. 500 Beamte schützen Gericht

Die Islamisten-Szene in Deutschland hat nach Einschätzung von Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen Racheaktionen für die Taten des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) geplant. So könnte es sich bei den verhinderten mutmaßlichen Anschlagsplänen von Salafisten gegen rechte Aktivisten der Gruppe Pro NRW im März um eine gezielte Vergeltung gehandelt haben, sagte Maaßen dem „Spiegel“. Der Verfassungsschutzchef hält vor allem die Auswahl von neun Namen auf einer Liste mit Pro-NRW-Aktivisten sowie eine Pistole des Typs Ceska, die bei einem Islamisten gefunden worden war, für keinen Zufall. Es handle sich „aus meiner Sicht um eine bemerkenswerte Parallele“, sagte Maaßen. Die NSU-Täter hatten mit einer Ceska-Waffe neun Mordanschläge verübt.

Sollten die Ermittlungen einen Zusammenhang belegen, „wäre es eine weitere Eskalationsstufe der Konfrontation zwischen diesen Spektren“, sagte der Verfassungsschützer. Die Bundesanwaltschaft verdächtigt vier Mitte März festgenommene Männer, einen Mordanschlag auf den Chef der Pro-NRW-Bewegung geplant zu haben. Bei Durchsuchungen fanden die Ermittler mehr als 600 Gramm Chemikalien zum Bombenbau.

Etwa 500 Polizisten sollen während des NSU-Prozesses in München die Sicherheit gewährleisten. Die Polizei hat nach ihren Angaben aber „keine Hinweise auf eine konkrete Gefährdung“.