Religion

Alles im grünen Bereich

Woher der Gründonnerstag allerdings seinen Namen hat, ist strittig

Grün ist die Farbe des Lebens: Ohne Chlorophyll, das den Pflanzen die Farbe verleiht, wäre Leben nicht möglich. Für die Mystikerin Hildegard von Bingen ist Grün deshalb eine göttliche, heilende Farbe, eine „Herzkraft himmlischer Geheimnisse, die die Herrlichkeit des Irdischen nicht fasst“. Gleichzeitig steht die Farbe Grün auch für das Neue, Frische: In der Minnedichtung war es die Farbe der beginnenden Liebe. Wer heiratet, feiert seine grüne Hochzeit.

Grün ist die Hoffnung. Es ist die Farbe des Frühlings, des wiederkehrenden Lebens und damit auch des Osterfestes. Der Ursprung des Wortes „grün“ liegt in dem germanischen Wort „groa“, was so viel wie wachsen und keimen bedeutet. Umstritten ist aber, ob der „Gründonnerstag“ mit der Farbe zu tun hat. Manche Sprachforscher vermuten eher, dass die Bezeichnung auf das mittelhochdeutsche „grinen“ zurückgeht, das Klagen oder Weinen bedeutet und auf das Leiden Jesu hindeutet. Dem widerspricht die Gesellschaft für deutsche Sprache: Der Gründonnerstag sei im Spätmittelalter im kirchlichen Sprachgebrauch als Tag des Erlasses der Sünden und Kirchenstrafen begangen worden. Der Bezug auf die Farbe Grün verweise auf Erneuerung und Reinheit von Sünde. Im Alltag symbolisiert die Farbe die Abwesenheit von Hindernissen. Eine grüne Ampel erlaubt freie Fahrt. Wer jemandem „grünes Licht“ gibt, gibt seine Zustimmung. Wer eine „Greencard“ hat, darf einwandern. Wer sich im „grünen Bereich“ befindet, kann sich beruhigt zurücklehnen.

Doch Grün ist nicht eindeutig. Missgünstige Menschen werden „grün vor Neid“. Der Teufel – als Jäger auf die Seelen – trägt bisweilen einen grünen Rock. Grün ist auch bitter oder sauer, intensive Grüntöne werden als Giftgrün bezeichnet. Das hat auch damit zu tun, dass lange Zeit alle Pigmente zur Herstellung der Farbe giftig waren, etwa das arsenhaltige Schweinfurter Grün oder Grünspan. Im Sprachgebrauch wird Grün auch häufig mit Unreife gleichgesetzt: Ein Grünschnabel ist noch „grün hinter den Ohren“.