Denkmal

East Side Gallery: Die Mauer ist weg

Investor lässt am Mittwochmorgen vier Teile entfernen. Senat reagiert brüskiert auf den Abriss

Die Bauarbeiten an der East Side Gallery sind trotz internationaler Kritik fortgesetzt und vier weitere Mauerteile entfernt worden. Kurz nach 5 Uhr am Mittwochmorgen ließ Investor Maik Uwe Hinkel die Teile aus der East Side Gallery entfernen. Damit wurde eine provisorische Zufahrt zur Baustelle für das geplante Hochhaus an der Spree geschaffen. Eine bereits Anfang März gerissene Lücke wurde so auf etwa sechs Meter vergrößert. 250 Polizisten waren im Einsatz, um die Bauarbeiten abzusichern.

Die herausgetrennten Mauerteile sollen später wieder eingesetzt werden. Die „temporäre Mauerversetzung“ sei notwendig geworden, weil man in den vergangenen vier Wochen nach etlichen Gesprächen mit dem Senat, dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und den Investoren des Nachbargrundstücks keine Alternative gefunden habe, sagte Hinkel. Zahlreiche Berliner und Touristen kamen im Laufe des Mittwochs an die Mauergalerie, um die Vorgänge zu beobachten. Zu Ausschreitungen kam es dabei nicht.

Der Senat reagierte brüskiert, da die Verhandlungen um eine Lösung in dem Konflikt andauerten. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sieht dennoch die Möglichkeit für einen Kompromiss. So könnte Hinkel später die Zufahrt des Nachbargrundstücks nutzen, sagte Wowereit am Mittwochnachmittag. Dort plant ein zweiter Investor ein Bauprojekt mit Hotel und Wohnungen. „Der betroffene Investor hat signalisiert, dass er an einer einvernehmlichen Lösung interessiert ist“, so der Regierende Bürgermeister. Er müsse nun seine Baupläne umschreiben, sodass Hinkel die Zufahrt mitnutzen könne. Dafür könne er auch eine Kompensation erwarten. Wowereit geht aber nicht davon aus, dass der öffentliche Streit um die East Side Gallery damit beigelegt ist. „Es ist schwierig, Ruhe hier rein zu bringen, da viele Menschen andere Erwartungen haben.“ Sein Ziel sei immer gewesen, die „East Side Gallery zu schonen, aber nicht zu verhindern, dass gebaut wird“, betonte der Regierende Bürgermeister. Hinkel will nun prüfen lassen, welche Änderungen durch eine andere Zufahrt erforderlich seien. „Das ist ein tiefer Eingriff in die Statik und technisch schwer umzusetzen, da es sich um ein Hochhaus handelt“, sagte sein Sprecher Jürgen Scheunemann.

Die Oppositionsparteien im Abgeordnetenhaus kritisierten den Mauerabriss. Der Investor suche „anscheinend aktiv den Konflikt“, kritisierte der Piraten-Politiker Wolfram Prieß. Die Aktion am Mittwochmorgen lasse Schlimmes befürchten. „Ungeachtet der laufenden Gespräche mit Bezirk und Senat lässt der Investor einfach Fakten schaffen“, sagte Prieß. Auch die Linken-Abgeordnete Katrin Lompscher sieht alle Beteiligten und vor allem die Öffentlichkeit durch Hinkels Vorgehen brüskiert. „Bezirk und Senat dürfen dies nicht hinnehmen“, sagte Lompscher. „Die Genehmigung muss ausgesetzt, ein Baustopp verhängt, Klarheit über das weitere Vorgehen hergestellt werden.“ Die Berliner CDU sieht dies anders. Investorenschelte sei nun fehl am Platz, sagte der CDU-Fraktionschef Florian Graf. „Jetzt geht es darum, zügig an der Umsetzung des Kompromisses zu arbeiten“, so Graf.

Das Bündnis „East Side Gallery retten“ hat für den heutigen Donnerstag um 16 Uhr zu einer Demonstration vor dem Roten Rathaus aufgerufen. Sie sei für 1000 Teilnehmer angemeldet, sagte deren Sprecher Sascha Disselkamp. „Aber vielleicht kommen auch 8000 bis 10.000“, erklärte er. Der Streit um den Abriss der Mauerteile hatte Anfang März begonnen, als Hinkel erste Teile heraustrennen ließ. Tausende Menschen demonstrierten, auch US-Sänger David Hasselhoff kam nach Berlin, um zu protestieren.