Kriminalität

Zahl der Einbrüche im Berliner Umland stark gestiegen

Im vergangenen Jahr gab es 17 Prozent mehr Diebstähle. Brandenburgs Innenministerium rät, Wertsachen mit künstlicher DNA zu sichern

– Im Berliner Umland haben Einbruchsdiebstähle in Wohnungen und Einfamilienhäuser auch im vergangenen Jahr weiter zugenommen. „Diese besorgniserregende Entwicklung ist seit 2007 zu beobachten“, sagte Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) bei der Vorstellung der Kriminalstatistik am Freitag in Potsdam. „2012 verzeichneten wir im gesamten Land einen besonders starken Anstieg von 4470 auf 5228 Fälle.“ Das entspricht 17 Prozent. 1677 Tatverdächtige wurden ermittelt.

Auf der Liste der Einbrecher ganz oben standen 2012 Bargeld in 803 Fällen, gefolgt von Schmuck (776 Fälle) und Laptops und Notebooks (323 Fälle) Dann auf Platz 4 der Fernseher (174 Fälle). 42 Prozent aller im Land Brandenburg registrierten Diebstähle ereignen sich im bevölkerungsreichen Umland von Berlin. „Die Unruhe in der Bevölkerung hat spürbar zugenommen“, sagte Woidke. In Berlin registriert die Polizei durchschnittlich 30 Einbrüche am Tag. Im ersten Halbjahr 2012 stieg die Anzahl dieser Delikte im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent. Für die zweite Jahreshälfte geht die Polizei von keiner wesentlichen Änderung aus. Schwerpunkte für Einbruchdelikte waren im vergangenen Jahr Charlottenburg-Wilmersdorf (1475 Fälle), Mitte (1453 Fälle), Friedrichshain-Kreuzberg (966), Tempelhof-Schöneberg (884) und Pankow (864).

„Wir bekommen das Echo von Berlin ab“, sagte Innenminister Dietmar Woidke. Die Täter nutzen Brandenburg nicht als Durchgangsstrecke, es seien keine Zufallstaten. „Die Täter machen an den Stadtgrenzen nicht halt. Zumal sie mit dem Auto und der S-Bahn schnell in Berlin sind, wo sie häufig untertauchen. „Mit mehr Streifenwagen im Einsatz sind Wohnungseinbrüche nicht zu verhindern“, sagte Brandenburgs Polizeipräsident Arne Feuring. „Der beste Schutz ist neben gesicherten Fenstern und Türen der aufmerksame Nachbar.“

Das Brandenburger Innenministerium rät den Bürgern, ihren wertvollen Besitz mit sogenannter künstlicher DNA zu versehen. Allerdings hatte sich Berlin gegen ein solches Pilotprojekt entschieden. Es werde als Wundermittel angeboten, sei aber keins. Brandenburg hingegen verweist auf gute Erfahrungen und kann somit auch Berlinern die Methode empfehlen. „Die Markierung mit künstlichem DNA erleichtert die Zuordnung von gestohlenen Gegenständen“, sagte Innenminister Woidke. Durch einen entsprechenden Button „mit künstlicher DNA gesichert“, würden Diebe vielfach abgeschreckt. „In Frankfurt an der Oder ist bislang kein Auto gestohlen worden, das damit versehen wurde“, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Ingo Decker, der Berliner Morgenpost. Firmen wie Vattenfall in Cottbus, die Deutsche Bahn AG PCK Schwedt und die Stadtwerk Frankfurt/Oder setzen die künstliche DNA bereits ein. Damit markiert werden könnten Fahrzeuge, Geräte, aber auch Handys oder Schmuck.

Ein Set sei bei speziellen Firmen erhältlich, auch im Internet . Es kostet um die 70 Euro. Mit einer Flüssigkeit, die wie milchiger Nagellack aussieht, wird an einer Stelle des zu schützenden Gegenstandes ein kleiner Punkt markiert. Die Flüssigkeit härtet aus und ist nur noch unter UV-Licht zu erkennen. Darin enthalten sind sogenannte Mikropunkte, in denen ein individueller Code hinterlegt ist. Dieser kann mit einem Mikroskop ausgelesen und seinem Besitzer zuordnet werden.

Während Brandenburg große Hoffnungen auf die künstliche DNA setzt, ist man in Berlin noch skeptisch. Man habe in der Testphase beobachtet, dass die Einbruchkriminalität durch die Maßnahme nicht spürbar gesenkt werden konnte, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich. „Organisatorische und wirtschaftliche Aspekte sprechen daher gegen eine Einführung von künstlicher DNA bei der Polizei Berlin“, erklärte Redlich.