Tiere

Der böse Wolf soll zahmer werden

„Erziehung“ schützt in Frankreich Schafe vor den Raubtieren

Können Wölfe dazu erzogen werden, dass sie keine Schafe mehr reißen? Die Regierung in Frankreich, wo sich Schafzüchter und Tierschützer seit Jahren wegen der Wölfe bekriegen, will dies zumindest versuchen. Ein „Nationaler Wolfsplan“ sieht ein Experiment zur „Erziehung“ der rund 250 frei lebenden Wölfe in Frankreich vor.

Wildschützer sollen die Raubtiere, die beim Angriff auf eine Schafsherde ertappt werden, dem Plan zufolge einfangen und mit einem Zeichen markieren. Anschließend sollen die Wölfe wieder in Freiheit entlassen werden. Die Behörden hoffen, dass sich die scheuen Tiere dadurch richtig erschrecken – und künftig lieber Rehe, Wildschweine oder frei lebende Kaninchen reißen. Besonders hartgesottene Wölfe, bei denen dies nicht klappt, dürfen jedoch zum Abschuss freigegeben werden.

Elf Nationalparks wollen nach Angaben von Umweltministerin Delphine Batho an dem Experiment teilnehmen. Schützenhilfe erhielt die Ministerin von der Stiftung des populären Umweltschützers Nicolas Hulot. Ähnliche Pilotprojekte in den USA seien erfolgreich gewesen, betonte ein Sprecher der Stiftung.

Ganz anderer Ansicht ist der konservative Bürgermeister der Alpengemeinde Sisteron, Daniel Spagnou: „Dann kann man genauso gut versuchen, einen Hai zu erziehen“, spottete der Lokalpolitiker, der seit Langem gemeinsam mit den Züchtern seiner Region gegen die Wölfe mobilmacht. „Was für ein Theater! Was kommt denn als Nächstes? Wolfsdompteure?“

Ähnlich streiten sich auch Jäger, Bauern und Tierschützer in Brandenburg über den Umgang mit den rund 95 im Land lebenden Wölfen. Im gerade verabschiedeten „Wolfsmanagement-Plan“ wird vornehmlich auf Aufklärung und Information gesetzt. Der Wolf soll in Frieden leben, während den Menschen durch ehrenamtliche Beauftragte die Angst vor den Tieren genommen werden soll.