Karaseks Woche

Kürbisse von Bäumen schütteln

Über die Gefahren, von der Landlust zu schreiben

Im „Literarischen Quartett“ pflegte Marcel Reich-Ranicki zu sagen: „Der Autor versteht so viel von Literatur wie ich von Ackerbau und Viehzucht.“ Das war an sich riskant, denn Tolstoi, der große Erzähler, beschrieb und rühmte in späteren Jahren sein Leben für Feld und Garten. Und Voltaire ließ seinen Candide als letzte Hoffnung noch einen Baum im Garten pflanzen.

Die Liebe zu Natur und Garten bricht zurzeit (trotz Tief „Wolfgang“) mit Übermacht über uns herein. „Landlust“ ist momentan die wohl erfolgreichste Zeitschrift, und Schriftsteller preisen Gartenkunst und Landleben. So auch ttt-Moderator Dieter Moor, der seine brandenburgische Gegend, wo er gräbt, gießt und pflanzt, als „arschlochfreie Zone“ bezeichnet. Ansichtssache.

Mir ist zu dieser Landliebe eingefallen, dass Mark Twain eine Zeit lang eine landwirtschaftliche Zeitung herausgab. Er schrieb beispielsweise: „Rüben sollte man niemals pflücken, weil ihnen das schadet. Es ist viel besser, einen Knaben auf einen Baum klettern und sie herunterschütteln zu lassen.“ Oder auch: „Augenscheinlich werden wir mit unserer Getreideernte dieses Jahr im Rückstand bleiben, der Landmann wird daher wohl daran tun, die Maiskolben und die Buchweizenkuchen schon im Juli statt im August zu pflanzen.“

Mark Twain schwadronierte auch über diverse Obstsorten: „Der Kürbis ist eine Lieblingsbeere der Eingeborenen von Nordamerika. Bei der Bereitung von Obstkuchen zieht man ihn sogar der Stachelbeere vor. Die ist vorteilhafter als die Himbeere zum Füttern der Kühe, da sie mehr füllt und stopft und ebenso nahrhaft ist.“

Mark Twain wurde von wütenden Lesern leiblich bedroht, das Redaktionsmobiliar zertrümmert, sechs Fensterscheiben wurden eingeschlagen und er rausgeworfen. Deshalb blieben Reich-Ranicki und ich bei unserem Leisten und verrannten uns nicht in die Landwirtschaft.