Flughafen BER

„Zaubern kann ich auch nicht“ – Mehdorn soll den BER retten

Ex-Deutsche-Bahn-Chef wird neuer Vorsitzender der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg

– Nun soll Hartmut Mehdorn zum Retter des Hauptstadtflughafens BER werden. Der frühere Chef der Deutschen Bahn und der Fluggesellschaft Air Berlin ist dafür am Freitag zum neuen Vorsitzenden der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) berufen worden. Mehdorn habe einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben und trete seinen Job bereits am Montag 7 Uhr an, gab Brandenburgs Ministerpräsident und FBB-Aufsichtratschef Matthias Platzeck (SPD) am Freitag in Schönefeld bekannt. Für das Prestigeprojekt der Länder Berlin und Brandenburg ist nach vier gescheiterten Anläufen allerdings noch immer kein neuer Eröffnungstermin in Sicht.

Mehdorn will nun jedoch aufs Tempo drücken. „Berlin braucht den neuen Flughafen. Unsere Kunden, die Airlines, brauchen ihn. Und vor allem die Menschen in der Region hoffen auf einen Erfolg des Projekts“, sagte Mehdorn bei seiner Vorstellung am Freitag. Zugleich räumte er ein: „Zaubern kann auch ich nicht.“ Die Probleme am BER seien sehr komplex, technisch anspruchsvoll und schwierig. Doch Schwierigkeiten scheue er nicht. „Ich bin bekannt dafür, dass ich einen geraden Weg gehe“, sagt er. Mehdorn folgt auf Rainer Schwarz, der im Januar nach der erneuten Absage der BER-Eröffnung als Flughafen-Chef entlassen worden war. Anders als Schwarz wird Mehdorn Vorsitzender der FBB-Geschäftsführung und nicht nur deren Sprecher. Mehdorn trägt damit die Verantwortung nicht nur für den laufenden Betrieb der beiden Alt-Flughäfen in Tegel und Schönefeld, sondern auch für die Inbetriebnahme des BER. Platzeck als Aufsichtsratschef sagte, Mehdorn sei ein sehr erfahrener Manager und exzellenter Branchenkenner. Er sei sicher, dass der frühere Bahnchef den Flughafen zurück in die Erfolgsspur und zu einer gelungenen Eröffnung führe.

Bauherren des Flughafens sind die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund. Die kalkulierten Kosten für den BER sind seit Baubeginn im Jahr 2006 von knapp zwei Milliarden auf zuletzt 4,3 Milliarden Euro gestiegen. Experten befürchten angesichts der gravierenden Probleme weitere Kostensteigerungen auf mehr als fünf Milliarden Euro.

Mehrdorn bezeichnete es als seine vordringlichste Aufgabe, das Vertrauen in das BER-Projekt wieder herzustellen. „Ich werde alles dafür tun, um die Fertigstellung des Flughafens zu beschleunigen“, versprach er. In seiner neuen Funktion muss Mehdorn sich aber nicht nur um den Neubau, sondern auch für die alten Flughäfen in Tegel und Schönefeld kümmern. Diese sollen nun bis zur Eröffnung des BER mit einem Kostenaufwand von bis zu 20 Millionen Euro ertüchtigt werden. Der Flughafen-Aufsichtsrat bestätigte am Freitag eine von der FBB vorgelegten Prioritätenliste. Das Geld soll danach vor allem nach Tegel gehen, wo unter anderem die Start- und Landebahnen sowie Flugverkehrsflächen saniert sowie die Gepäckanlagen und die IT-Technik modernisiert werden soll.

Mit Mehdorn übernimmt ein überaus umstrittener Manager den Chefposten der Flughafengesellschaft. Fast zehn Jahre lang war der gebürtige Berliner Vorstandschef der Deutschen Bahn. Einerseits steht er dafür, den hoch verschuldeten Staatskonzern in die schwarzen Zahlen gebracht zu haben. Zugleich wird ihm angelastet, mit seinem Sparkurs verantwortlich für viele Missstände zu sein. Dazu zählt gerade in der Hauptstadt die schwere Krise der Berliner S-Bahn. Im September 2011 wurde Mehdorn Vorstandschef von Air Berlin. Er verordnete der finanziell angeschlagenen Airline gleichfalls einen Sparkurs. Als Air-Berlin-Chef veranlasste Mehrdorn auch eine Klage gegen die Berliner Flughäfen, um wegen des BER-Desasters Schadenersatz in dreistelliger Millionenhöhe einzufordern.

Um Interessenkollisionen zu vermeiden will Mehdorn seinen Sitz im Verwaltungsrat von Air Berlin abgeben. Zugleich erklärte er, dass auch die Schadenersatzklage seines früheren Arbeitgebers Deutsche Bahn nicht über seinen Schreibtisch gehen werden.