Forschung

Mehr Mut zur Lücke

Laut einer Studie sind Abgeordnete risikofreudiger als andere Menschen

Politiker haben einen schlechten Ruf. Faul sollen sie angeblich sein und stets bereit, sich bei heiklen Fragen hinter leeren Phrasen wegzuducken. Zu einem ganz anderen Ergebnis kommt eine neue Umfrage des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin. Ihr zufolge sind die Abgeordneten des Bundestags deutlich risikofreudiger als der Rest der Republik. Ist der Hammelsprung in Wirklichkeit eine unterschätzte Extremsportart und eine Plenardebatte nur unter Einsatz des Lebens zu überstehen?

Das zwar nicht. Aber Berufspolitiker gehen leichtfertiger mit ihrer Gesundheit um, riskieren mehr bei Geldanlagen, haben schneller Vertrauen in Fremde und neigen sowohl bei der Karriere als auch beim Sport und in der Freizeit zu höherem Einsatz. Für die Studie waren Ende 2011 alle 620 Abgeordneten des Bundestags um eine Selbsteinschätzung gebeten worden. Sie sollten sich auf einer Skala zwischen null (gar nicht risikobereit) und zehn (sehr risikobereit) einstufen. Das Ergebnis wurde mit Daten aus der Gesamtbevölkerung verglichen. Dabei hatten die Parlamentarier durchgängig die höchsten Werte. Auch beim Autofahren, das ebenfalls abgefragt wurde.

Die Forscher verwunderte das nicht. Wären Berufspolitiker nicht mutiger, würden sie wichtige gesellschaftliche Entscheidungen „angesichts der kaum überschaubaren Risiken“ nicht treffen, so ihre Erklärung für die erhöhte Risikofreude der Volksvertreter. Stillstand wäre die Folge. Die Demokratie sehen die Wissenschaftler durch zu viel Wagemut aber nicht bedroht. Schließlich würde dieser durch parlamentarische Abläufe wieder gebremst.

Offen lässt die Studie, ob Risikofreude auch mit der Parteizugehörigkeit zusammenhängt. Das wollten die Forscher lieber nicht abfragen. Man habe den Abgeordneten die Sorge nehmen wollen, die Studie könne für politische Zwecke missbraucht werden, heißt es. Allzu groß scheint das Vertrauen in die Risikofreude der Politiker dann doch nicht gewesen zu sein.