Schule

Bildungsverwaltung beeinflusst Testergebnisse für Eliteschulen

Resultate der Schüler „nicht deutscher Herkunft“ nachträglich verbessert. Schulleiter üben Kritik

In Berlin gibt es Kritik an dem Aufnahmetest für Schnelllerner. Schulleiter bezeichnen die Prüfung als zu schwer. Nun stellt sich zudem heraus, dass die Ergebnisse von der Bildungsverwaltung im Nachhinein korrigiert wurden. Dabei haben Teilnehmer nicht deutscher Herkunft einen zusätzlichen Bonus bekommen. Der Intelligenztest für die Aufnahme an einem Schnelllerner-Gymnasium musste am Sonnabend absolviert werden. Dabei zeigte sich, dass viele Kinder nicht bestanden haben (Die Berliner Morgenpost berichtete).

Beate Stoffers, Sprecherin von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) bestätigte, dass eine Korrektur zugunsten dieser Schüler vorgenommen wurde. Das sei nötig geworden, weil der Test verändert worden sei. Bisher habe es zwei Teile gegeben, wobei einer eher auf das abstrakte Denkvermögen zielte, der andere auf das schnelle Erkennen logischer Zusammenhänge. Beide Teile seien nun zusammengeführt worden. Sprache spiele eine größere Rolle.

Die Schulleiter der sieben Schnelllerner-Gymnasien kritisieren dieses Vorgehen. Derartige Maßnahmen seien nicht gerichtsfest, sagen sie. Zudem wisse die Verwaltung in etlichen Fällen gar nicht genau, wer welcher Herkunft sei. Die Eltern hätten das nicht angeben müssen, heißt es. Offensichtlich sei lediglich aufgrund des Nachnamens geschätzt worden, wer nicht deutscher Herkunft ist. Katrin Schultze-Berndt, Vorsitzende des Landesfachausschusses Bildung in der CDU, sprach von Diskriminierung. „Die Herkunftssprache darf nicht zum Auswahlkriterium werden“, sagte sie. Entscheidend müsse die Leistung sein. Berücksichtigt werden müsse auch das Alter und der persönliche Entwicklungsstand, so Schultze-Berndt.

Die Korrektur hat das Ergebnis allerdings nicht grundsätzlich verändert. Es bleibt dabei, dass gerade einmal die Hälfte der Kinder (51 Prozent) den Test geschafft haben. Die Schulleiter führen das auf den erhöhten Schwierigkeitsgrad der Prüfung zurück. In diesem Jahr wurde erstmals mit einem neuen Test gearbeitet, der besonders viele Sprachanteile hatte. An den innerstädtischen Gymnasien, dazu gehören das Lessing-Gymnasium in Wedding und das Albrecht-Dürer-Gymnasium in Nord-Neukölln sowie das Dathe-Gymnasium in Friedrichshain, haben deshalb deutlich weniger Kinder den Test bestanden. Aber auch am Humboldt-Gymnasium in Tegel sowie am Rosa-Luxemburg-Gymnasium in Pankow ist die Zahl der Kinder, die für eine Schnelllerner-Klasse infrage kommen, zurückgegangen.

Während die betroffenen Schulleiter sich fragen, ob es politisch gewollt ist, den Zugang zu Schnelllerner-Gymnasien zu erschweren und die Begabtenförderung zurückzufahren, heißt es in der Bildungsverwaltung, dass sich – verglichen mit den vergangenen Jahren – nichts geändert habe. Sprecherin Beate Stoffers sagte, dass im Jahr 2010 nur 46 Prozent der Schüler den Test bestanden haben. 2011 seien es 56 Prozent gewesen und in diesem Jahr 51 Prozent. Lediglich 2012 sei das Ergebnis deutlich besser ausgefallen. „2012 haben 74,1 Prozent der Schüler die IQ-Prüfung geschafft“, sagte Stoffers.

Hinzu käme, so Stoffers weiter, dass sich immer weniger Eltern für die Schnelllerner-Klassen interessieren würden. Das zeigten die Bewerberzahlen. Habe es 2010 noch 729 Bewerber gegeben, seien es 2011 nur 715 und 2012 sogar nur noch 686 gewesen. In diesem Jahr hätten sich lediglich 594 Schüler für die Schnelllerner-Züge interessiert.

Viele Eltern melden ihre Kinder stattdessen lieber gleich an einem grundständigen Gymnasien an. Auch hier gibt es Züge, die mit der fünften Klasse beginnen. Im Unterschied zu den Schnelllerner-Gymnasien werden an den grundständigen Gymnasien nur bestimmte Begabungen gefördert, wie naturwissenschaftliche, musische oder sprachliche Begabungen. Aufnahmetests sind hier nur zum Teil nötig. An den Schnelllerner-Schulen muss der reguläre Unterrichtsstoff hingegen in kürzerer Zeit als an den grundständigen Gymnasien erarbeitet werden. In der eingesparten Zeit müssen zusätzliche Leistungen – mit Benotung – aus weiteren Kursen erbracht werden.

Jens Terp vom Vorstand des Berliner Vereins für Hochbegabtenförderung betont, dass der Bedarf für Schnelllerner-Klassen vorhanden sei. Etwa zwei Prozent aller Kinder eines Jahrganges seien hochbegabt und sogar zehn Prozent hochintelligent. Dennoch würden häufig Kinder in Schnelllerner-Klassen sitzen, die dort überfordert wären.

„Das Problem sind die Auswahlkriterien“, sagt Jens Terp. Die schulischen Leistungen würden zu stark bewertet. „Ein Bonus für Kinder nicht deutscher Herkunft ist überhaupt nicht nötig, wenn der Test richtig gemacht ist“, sagt Terp. Das geistige Potenzial eines Kindes könne auch nonverbal getestet werden. Wichtig bei der Hochbegabtenförderung sei, dass nicht nur schneller gelernt, sondern das Wissen auch auf eine andere Art vermittelt wird.