Konflikt

2000 Euro für Pistazieneis

In Israel ist ein Streit entbrannt, ob Premier Netanjahu auf Staatskosten schlemmen darf

Israels bekanntestes Eiscafé heißt „Metudela“ und liegt im Zentrum von Jerusalem, nahe der Residenz von Ministerpräsident Netanjahu, der bis vor Kurzem noch „Metudelas“ bester Kunde war. Das Pistazieneis isst der Premier am liebsten. Seine Frau Sara zieht das französische Vanillesorbet vor oder im Sommer auch mal Frozen Yogurt. Doch damit ist es jetzt vorbei: Nachdem eine Zeitung berichtet hatte, das jährliche Eiscreme-Budget der Netanjahus sei gerade auf 2000 Euro erhöht worden, war der öffentliche Aufruhr groß. In Netanjahus Büro versuchte man, sich ungelenk zu verteidigen: Das gerade erhöhte Budget sei sowieso nicht vollständig ausgeschöpft worden, und außerdem werde das Eis ja auch zahlreichen Gästen in der Residenz serviert.

Doch warum hieß es in dem Antrag auf Erhöhung des Budgets gleich drei Mal, das Eiscafé sei „nach den persönlichen Vorlieben und dem Wunsch des Ministerpräsidenten“ ausgewählt worden? Schließlich strich Netanjahu den Posten ersatzlos. Der Regierungschef habe von den Ausgaben nichts gewusst und sei nun zu dem Schluss gekommen, dass es sich um „exorbitante Kosten“ handele, die unangemessen seien, hieß es aus seinem Büro.

Es steht wohl außer Zweifel, dass die israelischen Staatsfinanzen an dieser Sparmaßnahme nicht genesen dürften. Mit 2000Euro hätte man bei „Metudela“ im Jahr immerhin 170Kilo Eis kaufen können, also etwa 14 Kilo monatlich oder ein halbes Kilo täglich. Das scheint auf den ersten Blick viel. Selbst wenn die Netanjahus den Rahmen ausgeschöpft hätten, wären sie gerade mal auf drei Kugeln täglich pro Person gekommen. Vermutlich dürfte der Eiskonsum deutlich bescheidener ausgefallen sein. Beim Eiscafé „Metudela“ habe die Berichterstattung über den verlorenen Großkunden dessen Verlust aber bereits kompensiert, sagen die Besitzer.