Konflikt

Grüße aus dem Kollwitzsträßle

Künstlergruppe will im Schwaben-Streit vermitteln – und benennt über Nacht 200 Straßen um

Adam, der einer anonymen Untergrundgruppe aus dem Prenzlauer Berg angehört und somit keinen Nachnamen trägt, ist seinem Selbstverständnis nach so etwas wie ein Heiner Geißler der Berliner Schwabendebatte: „Wir wollen mediativ auf den Konflikt wirken. Beide Parteien sind viel zu aggressiv im Umgang miteinander.“

Über Nacht, zwischen zwei und vier Uhr am Freitagmorgen, liefen die selbst ernannten Mediatoren deshalb fast 200 Straßenschilder rund um den Kollwitzplatz ab – und klebten Namen um. So entstanden das Wörther Gässle, das Kollwitzsträßle, und aus dem Kollwitzplatz wurde das Kollwitzspätzle.

Die Aktivisten stammen nicht aus dem Ländle, stehen beiden Parteien offen gegenüber. „Schwaben sind doch im Grunde superliebe Menschen. Zum Beispiel verniedlichen sie alles mit einem ‚-le‘“, so Aktivist Adam. Man dürfe nicht den Schwaben alles in die Schuhe schieben. Schuld sei doch die Stadt mit ihren Sanierungsmaßnahmen. Die Aktivisten verfolgten durchaus ernste Ziele. Sie verstehen ihr nächtliches Werk dennoch (mal wieder) auch als einen „ironischen Kommentar der Auswüchse dieser Debatte“, wie es in einer anonymen Mitteilung heißt. Und weiter: „Gleichzeitig wollen wir auf die tieferen Ursachen hinweisen.“ Welche das sind, bleibt mit der Aktion fraglich. Womöglich hilft – wie in Stuttgart – ein Problemfeststellungsverfahren im Kiez.