Handel

Lord Ali und Lady Fatma

Falsche schottische Adelstitel sind in der Türkei besonders begehrt

Mit falschen schottischen Adelstiteln wird seit Jahren im Internet ein schwunghafter Handel getrieben – aber nirgends scheint er so schwunghaft zu laufen wie in der Türkei. Das Nachrichtenportal CCNTürk und andere Medien berichten von nunmehr „5000 türkischen Lords und Ladys“. Angeblich sollen Prominente wie die Schauspielerin Beren Saat dazugehören. Es geht darum, einen Quadratfuß schottischen Boden zu erwerben. Und da „Laird“ in etwa „Grundbesitzer“ bedeutet, dürfe man sich damit, so wird geworben, legal als „Laird“ oder „Lady“ bezeichnen. Wobei aus dem „Laird“ im Geiste der Kunden rasch „Lord“ wird, so auch in den türkischen Berichten. „Legal“ im Sinne des für Adelstitel zuständigen Amts, des Court of the Lord Lyon, ist das Ganze natürlich nicht. Dieses betont, dass der Gebrauch eines Titels durch Käufer eines Fleckens schottischen Bodens grober Unfug ist. Noch etwas grober scheint die türkische Masche zu sein. In den Berichten wird ein Unternehmer namens Faruk Kurtoglu zitiert: Er habe sich den Vertrieb der Titel in der Türkei gesichert und erhalte monatlich 500 Stück zum Verkauf. Aus dem „Quadratfuß“ der schottischen Anbieter wird bei Kurtoglu ein „Quadratmeter“. Und aus dem schottischen Preis von 25 Pfund für den „Laird of Kincavel“ werden bei Kurtoglu 250 türkische Lira, mehr als 100 Euro. Wenn er 5000 davon verkauft hat, wie er behauptet, ist er reich – das wären 550.000 Euro. Bei CNNTürk findet sich auch ein Hinweis, der Kurtoglus Erfolg erklären könnte: Ein Laird-Titel könne helfen, ein britisches Visum zu erlangen.