Kriminalität

Spektakulärer Bankraub in Steglitz

Täter graben 30 Meter langen Tunnel zum Tresorraum und räumen 200 Schließfächer aus

Unbekannte Täter haben in Steglitz einen 30 Meter langen Tunnel gegraben und sind so in eine Filiale der Berliner Volksbank eingebrochen. In der Nacht zum Montag gelang es den Dieben über den Tunnel, der von einer Tiefgarage zum Tresorraum der Filiale an der Wrangelstraße/Ecke Schloßstraße reichte, mindestens 200 Schließfächer zu plündern. Dann legten die Täter Feuer und flüchteten. Seitdem fehlt von ihnen jede Spur.

Gegen 6.15 Uhr am Montag alarmierte ein Anwohner die Feuerwehr, weil aus der Tiefgarage an der Wrangelstraße Rauch drang. Bei den Löscharbeiten entdeckten die Einsatzkräfte den 1,50 Meter hohen und 30 Meter langen Tunnel. Kurz darauf bemerkten sie ein weiteres Feuer, das in der Filiale ausgebrochen war. Mehr als zwei Stunden dauerten die Löscharbeiten. Wegen der starken Rauchentwicklung musste der Tunnel auch danach noch gesperrt bleiben und entlüftet werden. Statiker untersuchten den unterirdischen Gang auf Einsturzgefahr. Nach bisherigen Erkenntnissen handelt es sich um eine von langer Hand geplante Tat. „Nach meiner Einschätzung haben die Täter mehrere Wochen für den sehr aufwendigen Tunnel benötigt“, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf. „Immerhin mussten die Unbekannten dicke Betonwände durchbrechen.“ Für die lange Planung spreche auch, dass weder Schutt noch Erde gefunden wurde. Demnach transportierten die Täter die bei den Grabungsarbeiten aufgeschüttete Erde selbst ab. Wie sie das alles offenbar gänzlich unbemerkt taten, ist Gegenstand der Ermittlungen. Unklar ist bislang auch, wie viele Täter am Einbruch beteiligt waren.

Bis in die Abendstunden sicherten Kriminalbeamte am Montag die Spuren. Anwohner wurden befragt, ob sie verdächtige Beobachtungen gemacht haben. Unklar ist, ob es Videoüberwachungsmaterial gibt, das die Täter zeigen könnte. Die Filiale der Berliner Volksbank blieb am Montag geschlossen. Auch die Tiefgarage wurde gesperrt. Neben offenen Stellplätzen gebe es in der Garage auch separate Bereiche, die durch Rolltore getrennt seien, sagte eine Sprecherin der Polizei. Offenbar hatten die Täter einen solchen Stellplatz angemietet.

Wie hoch der entstandene Schaden ist und wie viele Schließfächer die Täter genau aufbrachen, wird noch ermittelt. Nach Angaben von Nancy Mönch von der Berliner Volksbank verfügt die Filiale an der Schloßstraße über 1600 Schließfächer. Ob die Kunden mit Schadenersatz rechnen können, hänge davon ab, ob sie ihr Fach versichert hätten. Üblicherweise verwahren Bankkunden laut Mönch neben Bargeld und Wertpapieren darin vor allem hochwertigen Schmuck. Die Sprecherin rät allen potenziell betroffenen Kunden, eine Liste mit den Wertgegenständen anzufertigen, die sie im Schließfach aufbewahrt haben. Auch am Dienstag wird die Filiale an der Schloßstraße geschlossen bleiben.

Erst im Dezember hatte ein Banküberfall im Bezirk Steglitz-Zehlendorf für Aufsehen gesorgt. Ein Mann hatte eine Bank an der Kreuzung Potsdamer Straße/Teltower Damm überfallen und einen Angestellten neun Stunden lang als Geisel genommen. Schließlich gab der Täter auf.

Von der Art und Weise ähnelt der Überfall von Sonntagnacht jedoch eher einem spektakulären Raub aus dem Jahr 1995: Auch damals gruben die Täter einen Tunnel, um eine Bank in Zehlendorf zu überfallen. Sie nahmen 16 Geiseln. Kurz bevor die Polizei das Gebäude stürmte, flohen die sogenannten Tunnelräuber mit ihrer Beute durch den unterirdischen Gang. Sie konnten später gefasst und verurteilt werden.