Forschung

Unendliche Weiten jetzt noch unendlicher

Neu entdeckte Gruppe von Himmelskörpern widerspricht Grundprinzip der Kosmologie

Ein tiefer Blick ins All birgt immer noch große Überraschungen. Jetzt entdeckten Forscher etwas, dass es gar nicht geben dürfte: eine Struktur, die größer ist als die Ausmaße, die bisher theoretisch für möglich gehalten wurden. Ein internationales Astronomenteam fand diese bislang größte Struktur im Universum. Die Große Quasar-Gruppe ist rund vier Milliarden Lichtjahre lang. Das berichten die Forscher um Roger Clowes von der Universität von Zentral-Lancashire im britischen Preston im Fachblatt „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“. Die Gruppe umfasse 73 Quasare.

Quasare sind extrem helle Galaxienkerne aus der Jugendzeit des Universums. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt, und entspricht knapp zehn Billionen Kilometern.

Seit den 80er-Jahren ist bekannt, dass sich Quasare in erstaunlich großen Gruppen sammeln. Eine derart gigantische Gruppe wurde jedoch niemals zuvor beobachtet. „Während das Ausmaß dieser Großen Quasar-Gruppe kaum zu erfassen ist, können wir mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass sie die größte Struktur ist, die jemals im Universum erspäht wurde“, sagte Clowes. „Das ist sehr aufregend – nicht zuletzt, weil es unserem gegenwärtigen Verständnis von der Skala des Universums widerspricht.“

Denn die moderne Kosmologie baut auf das sogenannte Kosmologische Prinzip, dem zufolge der Kosmos auf einer ausreichend großen Skala überall gleich aussieht. Nach dem Kosmologischen Prinzip, das allerdings nie zweifelsfrei bewiesen worden sei, sollte es jedoch keine Gebilde von mehr als etwa 1,2 Milliarden Lichtjahren Größe geben, erläuterten die Forscher. Sie wollen nun nach weiteren Beispielen für „zu große“ Strukturen im Universum suchen.

( dpa )