Stadtplanung

Kampf gegen steigendes Grundwasser

Senat: Schutz würde Berlin 90 Millionen Euro pro Jahr kosten

Ein koordinierter Kampf gegen das vielerorts im Stadtgebiet steigende Grundwasser würde nach Informationen der Berliner Morgenpost bis zu 90 Millionen Euro pro Jahr kosten. Auf diese Summe schätzen die Experten der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Maßnahmen, die von feuchten Kellern und Fundamenten betroffene Anwohner, Grundeigentümerverbände, Wohnungswirtschaft und Wirtschaftsvertreter zur Lösung des Problems vorgeschlagen haben. Dabei geht es vor allem darum, stillgelegte Wasserwerke wieder in Betrieb zu nehmen, neue Brunnen zu bohren sowie Dränagekanäle zu sanieren und neu anzulegen. Seit der Wiedervereinigung steigen der Grundwasserpegel im Berliner Urstromtal deutlich an. In vielen Stadtteilen längs der Spree wird der als notwendig angesehene Abstand von 2,50 Metern zwischen Grundwasser und Erdoberfläche inzwischen deutlich unterschritten. Zudem dringt auch auf den Hochflächen des Teltows im Berliner Süden und des Barnims im Nordosten immer wieder sogenanntes Schichtenwasser in Keller und Baugruben ein. Die Industrie- und Handelskammer spricht von einem „echten Standortproblem“. In einzelnen Kiezen wie dem Blumenviertel in Rudow oder in Biesdorf kämpfen Hauseigentümer seit Jahren mit Wasser in ihren Kellern. Zunehmend werden aber auch aus Lichtenrade oder Friedrichshain „Vernässungen“ gemeldet.

Als wesentliche Ursache bezeichnet auch der Senat, dass die Berliner Wasserbetriebe, die die Stadt zu 90 Prozent aus dem eigenen Gebiet mit Wasser versorgen, erheblich kleinere Mengen aus dem Boden holen als früher. Vor allem wegen des Wegfalls vieler Fabriken, aber auch wegen der allgemeinen Sparsamkeit der Wasserkunden hat sich die Rohwasserförderung seit 1989 fast halbiert, auf nur mehr 200 Millionen Kubikmeter im Jahr, das ist weniger als 1960. Im Berliner Osten sank der Verbrauch dabei besonders stark.

Der Senat sieht den Grundwasseranstieg und die Folgen dennoch als Thema für die einzelnen Hauseigentümer. „Es gibt kein Grundwasserproblem, sondern ein Problem mit nicht fachgerecht abgedichteten Gebäuden“, ließ der zuständige Beamte der Stadtentwicklungsverwaltung kürzlich die Teilnehmer des Runden Tisches Grundwasser wissen. Der Wasserstand habe „natürliche Ursachen“.