Schäden in Millionenhöhe erwartet

Steigendes Grundwasser bedroht Berliner Hausbesitzer

Schon bis zu 10.000 Gebäude sind betroffen. Hintergrund ist der sinkende Wasserverbrauch

Tausenden Berliner Hausbesitzern drohen wegen des steigenden Grundwassers Schäden in Millionenhöhe und Wertverluste an ihren Immobilien. Nach einer Studie der KWS Geotechnik GmbH sind Gebäude, die sich auf dem Streifen des Berliner Urstromtals befinden, davon gefährdet. Der Grundwasserspiegel ist demnach in den vergangenen zwei Jahrzehnten um rund einen halben Meter gestiegen, in vielen Bereichen sogar um mehr als einen Meter.

Zahlreiche Gebäude, darunter auch denkmalgeschützte Prachtbauten wie etwa das Bundesratsgebäude an der Leipziger Straße in Mitte, stehen seitdem mit ihren Fundamenten im Wasser, die Schäden gehen in die Millionen.

Die Studie geht davon aus, dass die Fördermenge in den kommenden Jahren um weitere 60 Millionen Kubikmeter sinken wird – mit der Folge, dass der Grundwasserspiegel weiter steigt. „Der Grundwasseranstieg trifft vor allem Bereiche, in denen Wasserwerke außer Betrieb genommen oder die Förderung zurückgefahren wurde“, so der Geologe Manfred Schafhauser von der Berliner Beratungsgesellschaft KWS Geotechnik. Das Urstromtal durchzieht das Berliner Stadtgebiet von Südosten nach Nordwesten. Vor allem Ortsteile von Köpenick, Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf im Südosten sowie Lichtenberg, Friedrichshain und Mitte im Zentrum und Spandau, Staaken, Tegel und Heiligensee im Nordwesten der Stadt sind bereits heute stark betroffen. Der Grund für den Anstieg des Grundwassers liegt im Wasserverbrauch, der sich seit dem Fall der Mauer halbiert hat. Wurden 1989 in Berlin noch 378 Millionen Kubikmeter Wasser gefördert, waren es gut 20 Jahre später nur noch 219 Millionen. In der Folge wurden zahlreiche Wasserwerke stillgelegt. Handlungsbedarf besteht nach Auffassung der Verfasser generell überall dort, wo der Abstand des Grundwasserstandes zur „Geländeoberkante“, also zum Erdboden, weniger als 2,5 Meter betrage. Dieser Zustand wird von den Experten als „siedlungsunverträglich“ bezeichnet. Der Verband Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) gibt die Anzahl der betroffenen Gebäude mit rund 10.000 an. Die nachträgliche Isolierung eines Eigenheimes koste zwischen 40.000 und 50.000 Euro, sagte ein VDGN-Sprecher.

Die Neuköllner CDU-Bundestagsabgeordnete Stefanie Vogelsang forderte, dass der Senat Druck auf die Berliner Wasserbetriebe ausübt. Das Unternehmen sollte zusätzlich Wasser fördern, um den Grundwasserspiegel zu senken. Der Bezirksstadtrat Marc Schulte (SPD) sagte, in Charlottenburg-Wilmersdorf seien Kleingarten-Siedlungen von dem hohen Grundwasserstand betroffen. Er warnte vor ökologischen Folgen, wenn man das Grundwasser stärker abpumpt. „Vielleicht gibt es auch andere Lösungen“, sagte er.