Wissenschaft

Berlins Universitäten fordern 100 Millionen Euro mehr vom Land

Zusätzliche Mittel des Senats sollen das Niveau des Wissenschaftsstandorts langfristig sichern

Die Berliner Hochschulen fordern vom Senat mehr Geld. Die Präsidenten der vier Hochschulen Freie Universität (FU), Humboldt-Universität (HU), Technische Universität (TU) und Universität der Künste (UdK) bezifferten den schon jetzt feststehenden Mehrbedarf auf mehr als 100 Millionen Euro. Um diesen Betrag müsse die Zuwendung im Rahmen der Hochschulverträge mit dem Senat im Jahr 2017 höher liegen als derzeit, sonst könnten die Universitäten das erreichte Niveau nicht halten, warnten die Präsidenten am Mittwoch vor den Verhandlungen mit Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) über die Hochschulfinanzierung von 2014 bis 2017. Im laufenden Jahr und 2013 überweist das Land an die vier Universitäten 948 Millionen Euro.

Jörg Steinbach, Präsident der TU, sagte, die Hochschulen stünden nicht „in der Ecke der Nimmersatts, die immer mehr Geld fordern“. Sie wollten deutlich machen, dass die Forderungen „berechtigt und rational nachvollziehbar“ seien. Allein für Tarifsteigerungen und Altersversorgung müssten sie in fünf Jahren 77,6 Millionen Euro mehr aufbringen. Energiekosten und Preissteigerungen schlagen nach den Rechnungen der Unis mit 28,5 Millionen zu Buche.

Nach den Worten von HU-Präsident Jan-Hendrik Olbertz sehen sich die Hochschulen nicht mehr in einer „Jammerposition“. Sie machten der Stadt ein Angebot. Wenn das erreichte Niveau gehalten und fortentwickelt werden soll, müsse der Senat dies mit einer höheren Grundfinanzierung absichern, sagte Olbertz. Sein Kollege Peter-André Alt von der FU verwies darauf, dass auch noch stärkeres Einwerben von Drittmitteln aus anderen Quellen (2011 waren das 347 Millionen Euro) wenig helfen würde. Auch Drittmittelprojekte verursachten für die Universitäten zusätzliche Kosten, etwa für Energie und Räume. „Die hohen Erfolgsquoten bringen auch Lasten“, sagte Alt.

Die Präsidenten verwiesen auf die Erfolge der Universitäten. Allein in der Exzellenzinitiative des Bundes werden bis 2017 rund 300 Millionen Euro zusätzlich in die Stadt fließen. FU und HU wurden zu Eliteuniversitäten, insgesamt gibt es in der Stadt vier Exzellenzcluster und neun Graduiertenschulen. Berlin hat damit München als erfolgreichsten Wissenschaftsstandort Deutschlands verdrängt.

Die Hochschulen seien ein wichtiger Arbeitgeber, brächten zusätzliche Steuereinnahmen. Allein die Zahl der aus Drittmitteln bezahlten Wissenschaftler sei auf 2821, die der sonstigen Mitarbeiter auf 370 gestiegen. Für die Wirtschaft seien die Hochschulen ein wichtiger Standortfaktor, betonte Martin Rennert, Präsident der UdK. Die Präsidenten wollen auch eine Änderung der Kriterien erwirken, nach denen Berlin das Geld auszahlt. Nur ein Drittel fließe als Sockelfinanzierung, der Rest nach Erfolgsindikatoren, im Wesentlichen in Forschung und Lehre, diese seien aber oft nicht realistisch. Es sei nötig, die Sockelfinanzierung auszubauen.

Außerdem müsse Berlin ein Sonderprogramm für die Sanierung von Hochschulbauten auflegen. Dazu sollte sich Berlin auch für die Beteiligung privater an der Finanzierung öffnen, sagte Olbertz: „Das wird billiger als zu warten, bis die öffentlich-rechtlichen Bauten ganz zu Boden gehen.“