Gesundheit

Gefährliche Keime: Charité räumt Frühchenstation

Mehrere Säuglinge müssen im Virchow-Klinikum verlegt werden. Krisensitzung bei Senator Czaja

Die Charité hat einen Aufnahmestopp für Frühchen verhängt. Grund ist ein starker Befall von Keimen in zwei der fünf Frühchenstationen der Berliner Universitätsklinik. Der ärztliche Direktor Ulrich Frei bestätigte der Berliner Morgenpost, dass das Problem am Standort Virchow aufgetreten sei. Es handele sich um so genannte Serratien-Keime, die häufig bei Kindern auftreten, für Frühgeborene wegen ihrer geringen Abwehrschwäche jedoch gefährlich seien. Es handele sich nicht um multiresistente Keime, an denen Anfang dieses Jahres in Bremen zwei Frühchen gestorben waren. Dennoch wurden mehrere Säuglinge verlegt. Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) berief am Freitagabend eine Krisensitzung ein.

Die Keime in der neonatalen Station waren vor rund zwei Wochen aufgefallen. Ein schwer krankes Baby, das zuvor im Virchow-Klinikum behandelt worden war, war nach einer Herzoperation im Deutschen Herzzentrum gestorben. Als Ursache wird auch eine Infektion mit den Serratien-Keimen angenommen. Zwei weitere Kinder sind auf den beiden Stationen an Infektionen erkrankt, beide konnten nach Charité-Angaben aber erfolgreich behandelt worden.

Von den etwa 30 Kindern, die in den neonatalen Stationen im Virchow-Klinikum liegen, sind etwa zwei Drittel von den Keimen befallen, ohne jedoch erkrankt zu sein, sagte Frei. Alle verfügbaren Kräfte seien dort konzentriert, um die Patienten abzuschirmen und den Keim aus den Stationen zu entfernen. Der Keim sei aber „lästig“, sagte Frei, er bleibe „überall hängen“. Insider vermuteten am Freitag, als Quelle könnte ein kontaminierter Seifenspender in Frage kommen. Bestätigt wurde diese Information jedoch nicht.

Um die Station reinigen zu können, sei man bestrebt, die Belegung zu reduzieren. Am Donnerstag habe er in Absprache mit dem Amtsarzt entschieden, den Aufnahmestopp zu verhängen, sagte Frei. Serratien-Keime träten in Krankenhäusern regelmäßig auf, das sei auch in der Charité und ihren Säuglingsstationen in den vergangenen Jahren mehrfach der Fall gewesen, so der ärztliche Direktor. Wenn man suche, finde man solche Keime fast überall. Aber weil nun in der „ungewöhnlichen Ausbreitung“ zwei der fünf Stationen betroffen seien, sei es nicht mehr möglich, Schwangere oder eingelieferte Frühgeborene etwa an den Standort Mitte oder in andere Krankenhäuser zu bringen.

Der Vorstandsvorsitzende der Charité, Karl Max Einhäupl, sagte, das Klinikum habe absolut angemessen und nach den üblichen Hygienemaßnahmen auf den Keimbefall reagiert. „Wir haben alles veranlasst, was man tun muss“, sagte Einhäupl der Berliner Morgenpost. Grundsätzlich sei es so, dass auch Todesfälle auf Frühchenstationen nicht ungewöhnlich seien, weil die Kinder vielfältigen Risiken ausgesetzt seien. Der Amtsarzt und das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) seien von Anfang an einbezogen gewesen. Keinesfalls habe die Charité Probleme vertuschen wollen, so Einhäupl.

Im März hatten wiederholte Todesfälle von Frühchen in einer Bremer Klinik, die mit Darmkeimen infiziert waren, eine bundesweite Debatte unter Eltern und Ärzten über die Hygiene in Krankenhäusern ausgelöst. Wie andere Kliniken auch hat die Charité seitdem ihre Hygienestandards noch einmal verschärft und die Neugeborenen verstärkt auf Keime untersucht. Am Klinikum Bremen-Mitte waren dagegen Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene nicht befolgt werden, so ein Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft.