Forschung

Die Last der Jugend

Eine Studie zeigt, dass junge Menschen eher von Gewissensbissen geplagt werden

Das Klischee ist klar: Wer jung ist, lässt im Leichtsinn auch schon mal Fünfe gerade sein. Hausaufgaben nicht gemacht? Egal, kleine Notlüge, Thema erledigt. Freund oder Freundin warten lassen? Kann ja mal vorkommen. Aber deshalb gleich ein schlechtes Gewissen haben, das muss ja nun nicht sein. Im Alter hingegen, wenn Weisheit und Lebenserfahrung überwiegen, dann erst kommen die moralischen Überlegungen, dann plagen einen nach einem Fauxpas die Gewissensbisse. Doch in Wahrheit ist es genau andersrum: Die Häufigkeit und die Last von Gewissensbissen sind zwar vom Alter abhängig. Darauf deutet eine Umfrage unter Bürgern der Stadt Halle hin, wie die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mitteilte. Doch das überraschende Ergebnis der Erstauswertung der Umfrage sei, dass die Befragten mit zunehmendem Alter offenbar immer seltener ihr Gewissen verspüren. Jüngere Menschen hätten dagegen von häufigen oder sogar ständigen Gewissensregungen berichtet. Diese Erkenntnis widerspreche dem Vorurteil von einer gewissenlosen jungen Generation, berichten die Soziologen.

Dass es dieses Vorurteil überhaupt gibt, dafür haben die Forscher der Martin-Luther-Universität eine simple Erklärung: Der Themenkomplex des menschlichen Gewissens sei in der Soziologie bislang weitgehend unerforscht. Ob das an der Fakultät für ein schlechtes Gewissen gesorgt hat, ist nicht bekannt.