Lebensmittelsicherheit

Sodexo: 50 Euro Entschädigung – Eltern fordern Ende der Großküchen

Büchergutscheine für Opfer der Epidemie. CDU-Expertin: Eltern sollen für Schulessen mehr zahlen

Nach der Brechdurchfall-Epidemie in mehreren Bundesländern will der Caterer Sodexo die betroffenen Kinder mit Gutscheinen in Höhe von je 50 Euro entschädigen. Das Rüsselsheimer Unternehmen werde sie in Kürze verteilen, teilte ein Sprecher am Dienstag mit. Die Gutscheine könnten bei einem Berliner Verlag für Bücher, Lernmittel oder Nachhilfeangebote genutzt werden. Man bedaure die Unannehmlichkeiten sehr, hieß es.

Bei den Berliner Elternvertretungen machte die Geste am Dienstag wenig Eindruck. „Unser Augenmerk liegt nicht auf der Art und Höhe irgendwelcher Entschädigungsleistungen“, sagte der Vorsitzende des Landeselternausschusses (LEA), Günter Peiritsch. Die Diskussion über Sodexo sei abgehakt. „Uns geht es jetzt darum, die Umstände der Essenszubereitung zu verbessern, und das heißt für uns: Wir müssen weg von den Großküchen.“

Der Landeselternausschuss fordert eine schulnahe, regionale Versorgung durch kleinere und mittlere Betriebe und langfristig die Rückkehr zu Schulküchen. Dem schließt sich auch der Landeselternausschuss der Berliner Kindertagesstätten (LEAK) an. „Wir wollen eine regionale Versorgung mit regionalen Produkten“, sagte der LEAK-Vorsitzende Norman Heise. Keiner müsse im Herbst chinesische Erdbeeren essen. Mit Noroviren verseuchte Tiefkühl-Erdbeeren aus China waren offenbar der Auslöser der Epidemie vor 14 Tagen. „Das System muss verändert werden, sonst steuern wir nur auf den nächsten Skandal zu“, sagte auch Michael Polster, Vorsitzender des Deutschen Netzwerks Schulverpflegung.

Der Krankheitsausbruch hat die Debatte über die Qualität der Schulverpflegung neu befeuert. Während die Opposition auch höhere Zuschüsse für das Essen der Kinder fordert, will Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) in den nächsten Wochen zunächst ein Konzept zur Qualitätssicherung vorlegen. CDU-Bildungsexpertin Hildegard Bentele unterstützte das am Dienstag. Die Forderung der Elternvertreter nach Schulküchen sei kaum zu finanzieren, sagte Bentele. Große Zuschüsse aus der Landeskasse seien nicht zu erwarten. „Auch die Eltern müssen bereit sein, für mehr Qualität mehr zu zahlen“, sagte Bentele. Bislang sei der Eigenanteil der Eltern mit 23 Euro monatlich für ein Grundschulkind noch sehr günstig.

Das Robert-Koch-Institut erklärte unterdessen den Ausbruch der akuten Magen-Darm-Erkrankungen vor zwei Wochen am Dienstag für beendet. Seit dem Wochenende seien keine Neuerkrankungen gemeldet worden. In Berlin allein gab es 2800 Betroffene. Sodexo kündigte Konsequenzen aus dem Vorfall an. Die Zusammenarbeit mit dem Lieferanten der chinesischen Erdbeeren werde ausgesetzt und von einem unabhängigen Gutachter überprüft, erklärte das Unternehmen.

Berlins Bildungsstaatssekretärin Sigrid Klebba (SPD) sagte am Dienstag: „So ein Gutschein macht die Ereignisse in ihrer ganzen Dramatik sicher nicht ungeschehen, aber das Unternehmen unterstreicht mit dieser Entschädigungsgeste, dass es zu seiner Verantwortung steht.“ Noch wichtiger aber sei es, dass die angekündigten Maßnahmen zur Steigerung der Lebensmittelsicherheit mit aller Konsequenz umgesetzt würden, damit sich ein solches Geschehen nicht wiederhole.