Karaseks Woche

Elstners gefiederte Freunde

Vom Vogel und seinem hochgefährlichen Plural

Am vergangenen Dienstag erhielt Frank Elstner in der vom ZDF am Donnerstag ausgestrahlten Fernsehpreis-Gala, die wohltuend locker und komisch war, als wäre sie eine Fortsetzung der „heute-show“, den Ehrenpreis für sein Lebenswerk, den er auch annahm. Und das war wohlgetan, denn Elstner ist nicht nur der neugierigste, am besten vorbereitete und freundlichste Moderator, quicklebendig und altgedient zugleich, er hat auch Deutschlands erfolgreichste Familiensendung, nämlich „Wetten, dass ..?“ erfunden, in der an diesem Sonnabend erstmals Markus Lanz im Fernduell mit seinem zeitgleich bei RTL tätigen Vorgänger Thomas Gottschalk um den Quotenkönig-Titel kämpfte.

Als Elstner die große Sonnabendshow noch selbst moderierte, lebten wir in einer (auch sprachlich) heilen Welt. Für die Liebe in der speziellen Form des Sex gab es offiziell neben den schmutzigen V-Wörtern und F-Verben, die im Fernsehen bäh und tabu waren, nur die Tätigkeit des „miteinander Schlafens“ oder gar das biblische „Beiwohnen“ – seltsam müde und ruhige Worte für eine bewegende und bewegte Tätigkeit, sodass wir als verschlafenes Volk der Schlaffis galten, das noch lange keinen Sex hatte oder gar machte. Sex war ein verpönter Anglizismus. Ein Fremdwort. War das der Grund, warum uns

Uli Wickert am Ende der „Tagesthemen“ stets eine „geruhsame Nacht“ wünschte? Nur Klein Erna bemerkte nach dem ersten Mal zu ihrem Hein aufgestört: „Rein oder raus! Das ewige Hin und Her macht mich ganz nervös!“

Damals hatte Elstner einen Mann als „Wetten, dass ..?“-Gast, der sämtliche Vogelstimmen, also Amsel, Drossel, Fink und Star, und die ganze Vogelschar, an ihrer Stimme erkennen konnte. Der Plural des Vogels war in einer Sendung für die ganze Familie ein gewisses Risiko, das Elstner zu vermeiden suchte. Was da alles schiefgehen konnte! Also sprach er statt von Vögeln von „unseren gefiederten Freunden“. Doch das Unterdrückte, Verdrängte, wir wissen es dank Freud, schlägt zurück. Ich dachte jedes Mal, wenn er wieder die gefiederten Freunde nannte: Warum spricht er nicht von Vögeln? Und seither konnte ich nie etwas von gefiederten Freunden hören, ohne schmutzige Gedanken zu haben.

Es war dies ein unfreiwilliges Beispiel für Loriots Pannen- und Benimmregel-Humor, bei dem ein Staubsaugervertreter die Hausfrau mit dem Werbespruch gewinnt: „Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur saugen kann!“ Damals sprach man, wenn überhaupt, vom Storch. Der sorgte für die geruhsame Nacht.