Sicherheit

Berlin will S-Bahnhöfe überwachen

Nach den brutalen Überfällen der vergangenen Tage setzt der Senat die Bahn unter Druck

Nach den jüngsten Gewaltvorfällen auf Berliner S-Bahnhöfen hat der Senat die Deutsche Bahn AG als Eigentümerin zum Handeln aufgefordert. „Die S-Bahn ist in der Pflicht, bei der Videoüberwachung nachzuziehen“, sagte Verkehrssenator Michael Müller (SPD) der Berliner Morgenpost. In Sachen Sicherheit müsse die S-Bahn auf den gleichen Stand kommen wie die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die inzwischen alle U-Bahnhöfe und fast alle Fahrzeuge mit Kameras überwachen lässt. Die Sicherheit der Fahrgäste sei Teil der Infrastrukturleistung des Unternehmens, sagte Müller. Darüber sei er bereits im Gespräch mit der Deutschen Bahn. Auch Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) fordert, die S-Bahn müsse endlich alle ihre Züge und Bahnhöfe mit entsprechenden Videoanlagen ausstatten. „Dieser Schritt ist längst überfällig“, sagte Henkel der Berliner Morgenpost. „Die Videotechnik hilft, Straftaten aufzuklären. Zugleich ist sie aber auch unter präventiven Gesichtspunkten ein wichtiges und wirksames Instrument.“ Bisher werden in Berlin nur S-Bahnhöfe videoüberwacht, an denen auch Fern- und Regionalzüge verkehren, nicht jedoch die Stationen, an denen nur S-Bahnen halten.

In den vergangenen Tagen hatte es mehrere brutale Attacken an Berliner S-Bahnhöfen gegeben. So waren Fahrgäste in Ahrensfelde und der Wuhlheide geschlagen und getreten worden. Die Täter konnten unerkannt entkommen. Zuletzt schockierte der Fall eines behinderten Hertha-Fans, der am S-Bahnhof Olympiastadion mit seinem Fan-Schal beinahe erdrosselt wurde.

Der Geschäftsführer der S-Bahn Berlin, Peter Buchner, erklärte sich grundsätzlich zu Verbesserungen bereit. „Die Sicherheit unserer Fahrgäste liegt uns sehr am Herzen“, sagte Buchner der Berliner Morgenpost. Die bereits installierte Videotechnik auf S-Bahnhöfen für Sicherheitszwecke zu nutzen scheitere bislang an der grundsätzlichen Ablehnung des Betriebsrats. Die Gewerkschafter befürchten, dass die Kameras, die der Zugabfertigung in den Bahnhöfen dienen sollen, auch für die Überwachung der Mitarbeiter eingesetzt werden.

Buchner hält diese Bedenken für völlig unberechtigt. Er verweist auf die Praxis der S-Bahn in Hamburg, die bereits die Videoüberwachung der Bahnhöfe praktiziere. „Auf die Bilder hat im Verdachtsfall nur die Bundespolizei Zugriff, die die Aufnahmen in einem eigenem Raum auswertet“, sagte Buchner.

Wie nützlich eine umfassende Videoüberwachung bei der Aufklärung von Straftaten sein kann, zeigt der Fall einer Seniorin aus Weißensee. Die 80-Jährige war am 28.September am Rande eines Parks von zwei Jugendlichen überfallen und niedergestochen worden. Am 4.Oktober veröffentlichte die Polizei Bilder der flüchtenden Täter aus einer Videokamera, mit der die Grünanlage überwacht wird. Bereits in der Nacht zu Sonnabend wurde unter anderem durch Hinweise aus der Bevölkerung ein 16-Jähriger festgenommen. Im Verlauf des Sonnabends wurde ein zweiter Tatverdächtiger (17 Jahre) gefasst.