Gesundheit

Magen-Darm-Epidemie: Senatorin will neues Konzept für Schulessen

Robert-Koch-Institut sieht Ende der Erkrankungen – doch die Ursache bleibt weiter unklar

Während weiter intensiv nach der Ursache der epidemischen Magen-Darm-Erkrankungen an Schulen, Horten und Kitas geforscht wird, hat Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) angekündigt, ein neues Gesamtkonzept für die Schulverpflegung vorlegen zu wollen. Ziel sollen eine bessere Qualität des Angebotes und einheitliche Kriterien für die Auswahl des Schulessens in den Berliner Bezirken sein.

Scheeres will am Donnerstag ihre Empfehlungen für die Verpflegung an Horten und Kitas für die kommende Woche abgeben. Nach dem Ausbruch der Magen-Darm-Epidemie vergangene Woche wird an Berliner Kindertagesstätten und Horten derzeit kein Essen von der Rüsselsheimer Catering-Firma Sodexo ausgegeben. Betroffen sind davon 30 Kindertagesstätten und 70 Grundschulhorte, die derzeit eine Ferienbetreuung anbieten. Die Bezirke und das Unternehmen hatten am Montag vereinbart, dass in dieser Woche vorerst keine Lieferungen von dem Caterer an Berliner Einrichtungen gehen. Für die Versorgung stellen die Schulämter vorübergehend zwei Euro pro Kind zur Verfügung, damit die Einrichtungen das fehlende Essen irgendwie ersetzen können.

In der Diskussion über das Schulessen verwies Bildungssenatorin Scheeres auf eine Studie, die ihre Verwaltung bereits Mitte September präsentiert hatte. Darin war festgestellt worden, dass mehr Geld für die Versorgung mit einem Mittagessen notwendig sei – für Grundschulkinder veranschlagen die Autoren der Studie bis zu 3,36 Euro, ein Euro mehr, als bisher im Durchschnitt ausgegeben wird.

Seit Wochen wird in der Hauptstadt bereits darüber diskutiert, wie viel ein Schulessen kosten muss, um Qualität und gesunde Ernährung der Schüler sicherzustellen. Sandra Scheeres dringt nun auch auf regelmäßige Qualitätskontrollen. Höhere Zuschüsse müssten auch auf den Tellern der Kinder ankommen, sagte die Schulsenatorin am Dienstag nach der Senatssitzung.

Die Suche nach der Ursache der Magen-Darm-Erkrankungen bei Schülern und Kita-Kindern gestaltet sich unterdessen weiter schwierig. Trotz tagelanger Untersuchungen ist bisher weder klar, was die Erkrankungen ausgelöst hat, noch, wie und wo Erreger ins Essen der Kinder gelangen konnten. Auch am Tag zur Deutschen Einheit untersuchte etwa das Landeslabor Berlin-Brandenburg weitere Proben. Die eigens auf Bundesebene eingesetzte Task-Force setzte ebenfalls ihre Arbeit am Feiertag fort. Die Recherchen der zuständigen Lebensmittel- und Gesundheitsbehörden in den fünf betroffenen Bundesländern seien „sehr vielschichtig“ und gestalteten sich dadurch zeitaufwendig, hieß es am Mittwoch beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, das die Untersuchungen koordiniert.

„Wir suchen nach der Nadel im Heuhaufen“, sagte Lisa Jani, Sprecherin der Berliner Senatsverwaltung für Verbraucherschutz. Am Dienstag seien zwischenzeitlich zwei Beilagenzulieferer des Catering-Unternehmens Sodexo in Verdacht geraten, Quelle der Krankheitserreger zu sein. Doch weitere Untersuchungen hätten diesen Verdacht bereits wieder verworfen. „Jetzt suchen wir weiter“, sagte Lisa Jani.

Am Donnerstag wollen sich die beteiligten Behörden auf Bundes- und Länderebene in einer weiteren Telefonkonferenz beraten. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) handelt es sich bei der Epidemie von Magen-Darm-Erkrankungen um den bisher „mit Abstand größten bekannten lebensmittelbedingten Ausbruch in Deutschland“. Betroffen sind bundesweit mehr als 10.000 Erkrankte, in Berlin sind rund 2700 Fälle bekannt. In den vergangenen Tagen habe sich die Lage aber weiter beruhigt, so das RKI. Seit dem 29. September seien nur noch vereinzelt Neuerkrankungen gemeldet worden. „Die Hinweise verdichten sich, dass der Ausbruch vorüber ist“, hieß es.