Gesundheit

Berliner Kitas und Horte verweigern Sodexo-Essen

| Lesedauer: 3 Minuten
Florentine Anders

Erreger der Magen-Darm-Epidemie immer noch nicht gefunden. 442 weitere Fälle in der Hauptstadt

Nach den Tausenden Magen-Darm-Erkrankungen werden in Berlin bis Ende der Woche Kitas und Horte nicht mehr vom Cateringunternehmen Sodexo beliefert. Das hat die Senatsbildungsverwaltung in Absprache mit den Bezirken und der Firma vereinbart. Betroffen sind rund 100 Kitas und Horte. Sie werden vorübergehend von anderen Anbietern mit Essen versorgt. Dafür erhalten die Einrichtungen zwei Euro pro Kind und Mahlzeit erstattet. Die Firma Sodexo steht im Verdacht, für die mit Abstand größte von Lebensmitteln ausgelöste Welle von Magen-Darm-Erkrankungen in Deutschland verantwortlich zu sein. Das Cateringunternehmen vermutet wiederum, dass die Quelle der Erkrankungen bei den Zulieferern liegt.

Die Epidemie bleibt für Experten unterdessen ein Rätsel. Sodexo bedauerte, dass die Untersuchungen der Behörden noch keine eindeutigen Ergebnisse liefern konnten. „Nach Informationen der zuständigen Behörden liegen zahlreiche Untersuchungsergebnisse ohne Befund vor, etliche Ergebnisse stehen noch aus“, teilte Sodexo am späten Abend mit. Unterdessen wurden vier der sechs in den ostdeutschen Bundesländern geschlossenen Sodexo-Großküchen wieder geöffnet – die Küchen in Lichtenberg und Reinickendorf bleiben jedoch vorerst weiter geschlossen, wie die Berliner Morgenpost von Sodexo erfuhr.

Bundesweit meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) inzwischen mehr als 9400 Fälle. In Berlin erhöhte sich die Zahl der gemeldeten Erkrankungen auf 2655. Am Montag wurden den Gesundheitsämtern 442 weitere Fälle, zum größten Teil Nachmeldungen aus der vergangenen Woche, gemeldet. Betroffen sind alle zwölf Berliner Bezirke. In Brandenburg wurden am Montag 481 weitere Krankheitsfälle bekannt, insgesamt sind dort 2896 Menschen betroffen, wie das Gesundheitsministerium des Landes mitteilte. Damit ist Brandenburg das Bundesland mit den meisten Erkrankungen. Bundesweit mussten mindestens 23 Kranke in Kliniken behandelt werden, davon alleine 16 in Brandenburg. Weiterhin liegt nach Angaben der Gesundheitsverwaltung nur eine geringe Zahl an Meldungen über Ansteckungen vor. Daher gehen die Experten in Berlin eher nicht davon aus, dass die hoch ansteckenden Noroviren für den Ausbruch der Krankheit verantwortlich sind. Allerdings würden im Herbst typischerweise Norovirus-Infektionen häufiger auftreten, sodass ein zeitgleiches Geschehen zu einer lebensmittelbedingten Ursache denkbar sei, heißt es in der Mitteilung der Gesundheitsverwaltung. Auch das RKI glaubt inzwischen, dass es möglicherweise verschiedene Ursachen für die Massenerkrankung geben kann. Einzelne Erkrankungen seien nämlich in Sachsen bereits am 19. September aufgetreten, die meisten anderen in der vergangenen Woche.

Während Berlin mit dem Caterer Sodexo vereinbart hat, dass die Firma bis zum Ende der Woche kein Essen liefert, überlässt es Brandenburg den Trägern selbst, ob sie weiterhin das Essen von Sodexo annehmen. Hier werden rund 1800 Einrichtungen von dem Unternehmen beliefert. Da die Ursache für die Erkrankungen noch nicht geklärt ist, sehen die Behörden keine Grundlage für einen Lieferstopp oder ein Verbot. Das Unternehmen hatte sämtliche betroffenen Einrichtungen in Ostdeutschland beliefert. Doch nicht alle belieferten Einrichtungen waren von der Krankheit betroffen, obwohl das Essen teilweise aus den gleichen Produktionsstätten kam. Das Gesundheitsministerium in Brandenburg teilte mit, dass Sodexo versichert habe, in dieser Woche keine Lebensmittel aus Lieferungen zu verwenden, die in der vergangenen Woche benutzt wurden. Wie die Essensversorgung der Kitas und Schulen in Berlin in der kommenden Woche geregelt werden soll, wird die Bildungsverwaltung mit dem Caterer verhandeln.