Catering-Firma

Trotz Epidemie: Sodexo will Berlins Schulen wieder mit Essen beliefern

Streit wegen Magen-Darm-Erkrankungen zwischen Catering-Firma und Senatsverwaltung

Das Catering-Unternehmen Sodexo will die Berliner Schulen und Kitas wieder mit Essen beliefern. „Wir haben keine Bedenken, ab Montag wieder Essen auszugeben“, sagte Sodexo-Sprecher Stephan Dürholt der Berliner Morgenpost. Die Senatsverwaltung für Bildung verbietet die Lieferungen nicht, warnt aber vor dem Sodexo-Essen. Die Schulen und Kitas müssen somit selbst entscheiden. Sodexo steht im Verdacht, für die bislang größte Magen-Darm-Epidemie in Schulen und Kitas in mehreren ostdeutschen Bundesländern verantwortlich zu sein. Allein in Berlin sind 2213 Menschen betroffen.

Die Senatsverwaltung für Bildung warnt somit auch weiterhin vor dem Verzehr des Essens, das Sodexo an rund 400 Einrichtungen in Berlin und Brandenburg ausliefert. In einem Warnbrief der Behörde an Berliner Schulen und Kitas steht: Auf das Essen von Sodexo solle vorbeugend verzichtet werden – falls es keinen anderen Ersatz gibt, sollten die Eltern ihren Kindern Essen mitgeben. Nun müssen die Kitas und Schulen am Montag im Einzelfall entscheiden, ob sie das Essen annehmen oder ablehnen.

Die genaue Ursache der Krankheitsfälle, die mit Kantinenessen in Kitas und Schulen in Verbindung gebracht werden, ist noch immer unklar. Sodexo vermutet, dass Zulieferer verantwortlich sind. Die Catering-Firma hatte alle Kitas und Schulen beliefert, die von dem bislang größten Krankheitsausbruch durch Lebensmittelverzehr in Deutschland betroffen waren. Auf Bitten der Behörden hatten einige Küchen des Unternehmens die Essenslieferungen eingestellt. Mittlerweile dürfe Sodexo seine Menüs aber wieder mit einigen Auflagen, wie etwa dem Verzicht auf Rohkost, in alle Bundesländer liefern, so Dürholt. Sämtliche Großküchen seien bereits desinfiziert worden.

In Berlin und Brandenburg betreibt Sodexo 14 Küchen. Auf Veranlassung der Aufsichtsämter in den Bezirken sind allerdings zwei dieser Küchen geschlossen: die Großküchen in der Sewanstraße in Lichtenberg und in der Nimrodstraße in Reinickendorf. Ein Termin für die Wiedereröffnung ist nach Angaben des Sodexo-Sprechers noch nicht bekannt. Man sei weiterhin mit den Behörden im Gespräch, aber es sei wenig hilfreich, dass „die Ämter in unterschiedlichen Richtungen unterwegs sind“, so Dürholt. So habe ein Behördenmitarbeiter bereits Tomatenmark als Krankheitsquelle verkündet, eine andere Stelle habe dies jedoch ausgeschlossen.

Die Zahl der registrierten Infektionen war bis zum Wochenende in den betroffenen Bundesländern Berlin, Brandenburg, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt auf 8365 gestiegen, wie das Robert-Koch-Institut in Berlin mitteilte. Der Höhepunkt des Massenausbruchs könnte damit nach Expertenmeinung aber erreicht sein. Auch nach Einschätzung der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit nimmt die Krankheitswelle ab. Freitagnachmittag sei die Zahl der Nachmeldungen schon rückläufig gewesen. Nur sehr wenige der registrierten 2213 Berliner Betroffenen kamen in Kliniken. Nach Angaben einer Sprecherin der Senatsverwaltung waren es lediglich drei. Am Sonntag wurden keine eventuellen Neuerkrankungen bekannt, da die auch während der Herbstferien geöffneten Kitas und Schulhorte erst am Montag wieder geöffnet seien.