Gesundheit

Tausende Berliner Schüler erkrankt: Kritik an Information der Behörden

Zahl der Fälle steigt weiter. Noro-Virus in Sachsen nachgewiesen. Eltern sind verunsichert

Die Suche nach den Ursachen für die massenhaften Magen-Darm-Erkrankungen nach dem Verzehr von Schulessen geht auch am Wochenende mit Hochdruck weiter. In einer Telefonkonferenz tauschten am Sonnabend Behördenvertreter der betroffenen fünf Bundesländer, das Robert-Koch-Institut, die Landeslabore sowie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittel ihre Informationen aus. „Doch nach wie vor ist völlig offen, ob Bakterien, Viren oder Toxine die Kinder krank gemacht haben“, so Claudia Engmann, Sprecherin des Berliner Senatsbehörde für Verbraucherschutz.

Die Zahl der Erkrankten hat sich unterdessen erneut erhöht: 8365 Kinder und Jugendliche, die nach dem Verzehr von Kantinenessen in Schulen und Kindergärten an Durchfall und Erbrechen leiden, wurden in den fünf Bundesländern registriert. Die Zahl der gemeldeten Fälle in Berlin hat sich am Sonnabend um 37 auf 2213 erhöht. In Brandenburg stieg die Zahl der an Magen-Darm-Erkrankungen leidenden Kinder und Jugendlichen auf 2415. Die Entwicklung sei vor allem auf Nachmeldungen zurückzuführen, so das Gesundheitsministerium in Potsdam. Bis Freitagabend waren lediglich 1749 Fälle gemeldet worden.

Aufgrund des Wochenendes und des Beginns der Herbstferien müsse zudem mit einer hohen Dunkelziffer gerechnet werden, so der Leiter des Fachbereichs Hygiene und Umweltmedizin im Gesundheitsamt Berlin-Mitte, Dr. Karl Schenkel. Die Berliner Gesundheitsämter haben wegen der Epidemie Notrufnummern geschaltet und beraten Erkrankte auch am Wochenende. Betroffen sind in Berlin die bereits bekannten 82 Einrichtungen, davon 58 Schulen, 22 Kitas und zwei weitere Einrichtungen. Die Bezirke Spandau und Neukölln sind nach wie vor nicht betroffen. Alle Einrichtungen, in denen Krankheitsfälle auftraten, waren von der Catering-Firma Sodexo beliefert worden.

In den vergangenen Tagen war die Unsicherheit bei Schülern, Eltern und Lehrern unter anderem auch deshalb groß, weil Schulen und Kitas von den zuständigen Landesbehörden zum Teil nur sehr unzureichend und spät informiert worden waren.

Und das Informationschaos geht offenbar weiter: Die Einrichtungen, die eine Ferienbetreuung anbieten und von Sodexo beliefert werden, wurden erst im Laufe des Freitags beziehungsweise werden am Montag mit einem Update von der Senatsbildungsverwaltung informiert. Elternvertreter berichteten von sehr unterschiedlichen Erfahrungen: So wurden einige Schulen bereits ab Freitag desinfiziert, während an anderen betroffenen Einrichtungen nichts geschah und auch vonseiten der Schulleitungen die Eltern nicht über die massenhaften Erkrankungen informiert wurden. Auf Nachfrage blieb oft unklar, wie der Hortbetrieb am Montag weitergehen soll.

Größte Welle der vergangenen Jahre

Wie ernst die Berliner Behörden die Lage auch weiterhin einschätzen, zeigt eine Dienstanweisung der Feuerwehr an ihre Mitarbeiter: Im Zusammenhang mit dem massenhaften Auftreten von Magen-Darm-Erkrankungen sind bei der Feuerwehr alle Wachen von der medizinischen Leitung angewiesen worden, neue Verdachtsfälle und Einlieferungen in Kliniken durch die Rettungsdienste zu melden.

Während die zuständigen Berliner Senatsbehörden darauf verweisen, dass über den Auslöser der Epidemie nur spekuliert werden könne, verdichten sich in anderen Bundesländern die Hinweise, dass Noroviren die bundesweit größte Magen-Darm-Erkrankungswelle der vergangenen Jahre ausgelöst haben könnten. In Thüringen wurden bislang hochansteckende Noroviren in sieben Fällen nachgewiesen, wie das Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz mitteilte. In Sachsen wurde laut Behörden in 16 Fällen ebenfalls das Norovirus nachgewiesen.

Doch bei der Bewertung dieser Ergebnisse sind die Behörden vorsichtig. Das Robert-Koch-Institut in Berlin wollte zum Nachweis der Noroviren keine Einschätzung geben. „Wir müssen nicht jedes Laborergebnis kommentieren“, teilte Sprecherin Susanne Glasmacher lediglich mit. Beim Mini-Marathon in Berlin am Sonnabend mussten mehrere Schulen wegen der Erkrankungen absagen.