Außenpolitik

Das FBI kapert einen Schulbus

Israels Delegation kam nur über einen Umweg zur UN-Vollversammlung

Es gibt kaum Schöneres, als in der Kolonne eines Staats- oder Regierungschefs mitzufahren. Von der Polizei eskortiert, braucht man nicht mehr als ein paar Minuten für Strecken, auf denen man als gewöhnlicher Verkehrsteilnehmer sonst stundenlang im Stau stehen muss. Davon wollte auch der Autor dieser Zeilen profitieren, als er sich in New York mit der israelischen Delegation zur Vollversammlung der Vereinten Nationen (UN) aufmachte.

Israels Premier Netanjahu war mit seiner Frau nach der Landung in einer Limousine bereits verschwunden, als sich die weiteren Fahrzeuge in Bewegung setzten. Israels Außenminister war dabei, Diplomaten, Berater, unzählige Sicherheitsleute und eben auch ein paar Journalisten. Doch plötzlich hielt der Bus. Die Zündung versagte. Der Mann vom FBI auf dem Beifahrersitz sprach einen lapidaren, wenn auch alarmierenden Satz in sein Funkgerät: „Wir haben kein Benzin mehr!“ Schließlich sprang er auf die Straße und zwang einen gelben Schulbus zum Anhalten. Dort stieg die Delegation dann ein. Doch ohne Blaulichteskorte kam der Bus nicht schneller voran als der restliche Verkehr auch, und der Busfahrer sprach besser Russisch als Englisch. Doch dann sagte er ein paar Worte auf Hebräisch. Er sei russischer Jude. Ach, natürlich werde er die Gruppe zu den UN bringen. Das machte er am Ende sogar, ohne Geld zu verlangen. Eine Dame aus Netanjahus Büro hat jedoch seine Adresse aufgeschrieben – für ein Dankesschreiben von Israels Premier.