Gesundheit

Krank vom Schulessen: Behörden suchen nach der Infektionsquelle

In Berlin sind bislang 2176 Kinder, Jugendliche und Lehrer an einem Magen-Darm-Infekt erkrankt

Die Welle der Magen-Darm-Erkrankungen trifft immer mehr Kinder und Jugendliche in Berlin und Ostdeutschland. Fast 7000 Kranke, die nach Kantinenessen in Schulen oder Kindertagesstätten an Durchfall und Erbrechen leiden, wurden inzwischen in fünf Bundesländern registriert. Auch in Berlin hat sich die Zahl der Erkrankten seit Donnerstag mehr als verdreifacht. Am Donnerstag waren noch 600 Fälle gemeldet worden. Inzwischen sind 2176 Kinder und Jugendliche, aber auch etliche Lehrer und Erzieher erkrankt.

Als Ursachen kämen Noroviren oder Giftstoffe infrage, sagte Marlen Suckau, Referatsleiterin für Infektionsschutz in der Gesundheitsverwaltung, am Freitag. Sie geht davon aus, dass es noch mehr Fälle geben wird. „Einen so großen Ausbruch habe ich noch nicht erlebt“, sagte sie. Möglicher Auslöser könnte das Essen des Caterers Sodexo sein, der sowohl in Berlin als auch im Land Brandenburg Schulen und Kitas mit Essen beliefert.

In Berlin sind bisher 58 Schulen, 22 Kitas und zwei weitere Einrichtungen betroffen. Die Grundschule am Vierrutenberg in Reinickendorf, das Gymnasium Steglitz sowie eine Kita in Zehlendorf sind geschlossen. Durchfallerkrankungen gibt es in allen Bezirken bis auf Spandau und Neukölln. Allein in Marzahn-Hellersdorf sind rund 500 Kinder betroffen, in Lichtenberg etwa 350. In Brandenburg waren am Freitag rund 1750 junge Menschen in mindestens 23 Schulen erkrankt. „Eine 100-prozentig exakte Zahl können wir nicht nennen“, sagte Ministeriumssprecher Stephan Breiding.

Die Berliner Staatssekretärin für Gesundheit, Emine Demirbüken-Wegner (CDU), sagte: „Wir sind fieberhaft dabei zu untersuchen, worum es sich handelt.“ Bislang seien vorsichtshalber zwei Zulieferbetriebe von Sodexo, einer in Lichtenberg und einer in Reinickendorf, von den zuständigen Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsämtern geschlossen worden. Die Staatssekretärin sagte aber, dass es sich nicht um schwere Infekte handle.

Der Rüsselsheimer Küchen- und Kantinenzulieferer Sodexo hatte sich gegen die Vorwürfe gewehrt, für die Masseninfektion verantwortlich zu sein. „Die Untersuchung der Zusammenhänge zwischen gelieferten Essen und Erkrankungen lässt derzeit keinerlei Rückschlüsse zu“, teilte das Unternehmen am Freitag mit. „Es gibt nach wie vor keinen Beleg für einen Zusammenhang der Erkrankungen zu den Essenslieferungen.“

Zur Ursache der Infektionen machte das Robert-Koch-Institut am Freitagnachmittag keine Angaben. „Wir äußern uns nicht zum Erreger“, sagte Sprecherin Susanne Glasmacher.

Eine Task-Force unter Leitung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit will mit den Gesundheitsbehörden der Länder die Ursache ermitteln. Angaben zur Arbeit der Gruppe und ersten möglichen Ergebnissen machte ein BVL-Sprecher nicht.