Immobilien

Berlin gehen die Grundstücke aus

Für den Wohnungsbau in der Innenstadt kann das Land nur noch 45 freie Flächen verkaufen

– Das Land Berlin verfügt nur noch über wenige freie Grundstücke: Der Wert aller verkaufsfähigen Flächen, die sich im Portfolio des landeseigenen Liegenschaftsfonds befinden, beläuft sich nur noch auf 693 Millionen Euro. Das geht aus einer vertraulichen Analyse hervor, die der Berliner Morgenpost vorliegt. Vor allem in der Innenstadt ist das Angebot an Grundstücken schon sehr begrenzt. Für Wohnnutzung innerhalb des S-Bahn-Rings stehen zum Beispiel nur noch 45 Objekte zur Verfügung.

Würde Berlin im gleichen Umfang wie in den vergangenen Jahren Grundstücke veräußern, wären die Bestände in rund vier Jahren komplett vergeben. 2011 nahm der Liegenschaftsfonds 157 Millionen Euro ein, im Jahr zuvor lagen die Erlöse noch höher. Offiziell spricht der Liegenschaftsfonds stets von mehr als 5000 Objekten mit mehr als 1800 Hektar, die er als Treuhänder des Senats den Interessenten anbieten kann. „Unser Angebot ist riesig, vielfältig und ständig in Bewegung“, heißt es in einer Broschüre des Fonds. Tatsächlich aber sehen die Verantwortlichen selbst nur gut die Hälfte der Liegenschaften als überhaupt potenziell marktfähig an. Denn 197 Grundstücke liegen außerhalb der Stadtgrenzen, 2071 der Flächen sind wegen Erbbaurechten oder anderer rechtlicher Einschränkungen nur „eingeschränkt vermarktbar“, heißt es in der Analyse. Es bleiben 2854 freie oder bebaute Grundstücke mit einer Gesamtfläche von 799 Hektar, die uneingeschränkt nutzbar sind und verkauft werden können.

Das Angebot ist zwischen den Bezirken sehr ungleich verteilt. 60 Prozent der Grundstücke liegen in den östlichen Bezirken Treptow-Köpenick (671 Objekte), Marzahn-Hellersdorf (558) und Pankow (490). Zudem handelt es sich bei fast 1200 Grundstücken nur um sogenannte „Arrondierungs- oder Splitterflächen“, die „wenn überhaupt nur vom Anlieger erworben und nicht selbstständig bebaut werden können“, wie die Mitarbeiter von Liegenschaftsfonds-Chef Holger Lippmann in ihren Erklärungen einräumen.

Der Senat hat sich zur Aufgabe gemacht, wegen der zunehmenden Wohnungsnot Flächen für den Bau von günstigen Wohnungen bereitzustellen. Doch dafür hat der Liegenschaftsfonds nur wenige Möglichkeiten. Das Portfolio weist zwar 1099 Wohngrundstücke auf. Aber nur 211 davon sind geeignet für Geschosswohnungsbau, 85 für eine Mischnutzung inklusive Wohnen. Die überwiegende Mehrheit der Grundstücke, nämlich 674, kann nur zum Bau von Ein- oder Zweifamilienhäusern genutzt werden. Bei 129 Flächen ist es notwendig, sie zunächst zu Bauland zu erklären, ehe sie ebenfalls mit Einzelhäusern bebaut werden dürfen.

Innerhalb des S-Bahn-Rings, wo die Engpässe auf dem Wohnungsmarkt besonders groß sind, hat der Liegenschaftsfonds fast keine Reserven mehr, um die Wohnungsnot zu lösen. Nur 45 Grundstücke liegen in der Innenstadt. In Ortsteilen wie Wilmersdorf und Schöneberg verfügt das Land Berlin nur noch über jeweils ein einziges freies Wohngrundstück, in Charlottenburg über drei.