Gesundheit

Zu wenig Geld: Berlin kann kein gesundes Schulessen bezahlen

Studie: Ernährungs-Richtlinien werden nicht eingehalten. Senatorin will einheitliche Standards

Die geforderte Qualität des Schulessens kann bei den aktuell gezahlten Preisen von den Caterern nicht erbracht werden. Das geht aus einer Studie der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg hervor, die die Bildungsverwaltung gemeinsam mit der AOK in Auftrag gegeben hatte. Damit bestätigt die Studie die Aussage der Caterer, dass ein gesundes Schulessen zu den derzeit gezahlten Beträgen in Berlin nicht mehr machbar sei.

In Berlin wird bei Ausschreibungen je nach Bezirk derzeit ein Preis von 1,79 bis 2,30 Euro pro Portion zugrunde gelegt. Nach den Modellrechnungen in der Studie ist das jedoch viel zu wenig. Um die Qualitätsstandards einzuhalten, müssten pro Portion an der Grundschule 3,17 bis 3,36 Euro gezahlt werden. An den Gymnasien würde das Essen zwischen 3,97 Euro und 4,25 Euro kosten und an den Sekundarschulen zwischen 3,14 und 4,25 Euro.

Das deutliche Defizit in der derzeitigen Preiskalkulation macht sich an den Schulen bereits an den Speiseplänen der Anbieter bemerkbar. Schon hier würden häufig Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung nicht eingehalten, heißt es in der Studie, an der sich 13 Berliner Caterer, sieben Bezirke und 278 Schulen beteiligt haben.

Die Ergebnisse der Studie wurden in den Bezirken bereits ungeduldig erwartet. Denn angesichts des Boykotts der großen Caterer bei der letzten Ausschreibung in Friedrichshain-Kreuzberg hatten die anderen Bezirke ihre Ausschreibungen vorerst auf Eis gelegt. Die Stadträte forderten höhere Zuschüsse an die Bezirke vom Land. An den Grundschulen wird das Essen mit 17 Euro pro Portion monatlich bezuschusst. An den weiterführenden Schulen müssen die Eltern die kompletten Kosten tragen.

Doch die Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) will nicht über Geld reden, bevor nicht sichergestellt ist, dass die Qualitätsrichtlinien auch eingehalten würden. „Ein teures Schulessen ist nicht gleichbedeutend mit einem qualitativ besseren Schulessen.“ In den Ausschreibungen müssten die Standards für alle Bezirke einheitlich festgelegt werden.

Schulstadtrat Peter Beckers (SPD) von Friedrichshain-Kreuzberg begrüßt die Studie. Es gebe dringenden Handlungsbedarf, so Beckers. Mindeststandards in den Ausschreibungen seien wichtig, allerdings müsse es auch verlässliche Kontrollen zur Einhaltung geben. Beckers fordert dafür eine zentrale Institution vom Land. Zudem müssten die Zuschüsse erhöht und zweckgebunden an die Bezirke überwiesen werden.

Rolf Hoppe, Vorsitzender des Verbandes der Schulcaterer in Berlin, betont, dass die Sicherung der Qualität nur möglich sei, wenn die Anbieter auch die nötigen Gelder dafür bekommen.