Türkei

Häftling verklagt Justiz wegen Dummheit

Boris Kálnoky

Einmal zu viel: In der Türkei versuchte die Justiz, denselben Mann zweimal zu verhaften

- Drei Jahre lang fahndete die türkische Polizei landesweit nach einem Mann, den sie bereits gefasst hatte und der nach einem Gerichtsverfahren von mehreren Instanzen rechtskräftig verurteilt worden war. Die Justiz fand ihn schließlich genau dort, wo sie ihn selbst hingesteckt hatte: im Gefängnis.

Es ist beachtlich, auf wie vielen verschiedenen Ebenen die diversen Branchen der Staatsmacht in dieser Farce der Reihe nach versagten. Es begann mit einem Versäumnis der zuständigen Richter und Staatsanwälte: Nachdem der 23-jährige R.D. wegen Körperverletzung zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden war, versäumten es die Robenträger, den nunmehr gegenstandslosen Haft- und Fahndungsbefehl gegen den Mann aufzuheben. Das führte zu langjährigen Bemühungen der Polizei, ihn zu finden. Nach dreijähriger Suche fanden sie den "Flüchtigen" in einem Gefängnis der Provinz Cankiri. Und verhafteten, wie es ihnen befohlen war, den Inhaftierten. Erst der Häftling/Angeklagte selbst musste den Richter über den Inhalt seiner Akte belehren. Woraufhin der Richter eine Überprüfung der Angelegenheit anordnete und R.D. ins Gefängnis zurückschickte.

Seine Strafe läuft 2016 ab. Um sich bis dahin die Zeit zu vertreiben, hat er nun den Spieß umgedreht und die Richter und Staatsanwälte wegen Dummheit verklagt.