Helmut Schmidt

Rauchpause in Münster

Was sich im beschaulichen Münster anbahnt, können kein "Tatort" und kein "Wilsberg"-Krimi aus der Studentenstadt auch nur annähernd an Dramatik und Nervenkitzel überbieten.

- Denn der Bundesrepublik steht eine neue Ära ins Haus: Deutschlands mit Abstand bekanntester und beliebtester Kettenraucher Helmut Schmidt will sich offenbar bei der Verleihung des Westfälischen Friedenspreises sein Laster verkneifen. "Wir haben zur Planung die Information erhalten, dass sich für uns als Veranstalter die Frage des Rauchens während des Festaktes nicht stellen wird", sagte Jost Springensguth, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe.

Der 93-jährige Altkanzler und Publizist wird am 22. September als einer der bedeutendsten Wegbereiter des friedlich geeinten Europas geehrt. Die Verleihung findet im Historischen Rathaus von Münster statt. Schmidt ignoriert regelmäßig Rauchverbote, selbst vor Fernsehkameras. Bei seinen Auftritten qualmt er eine Zigarette nach der anderen weg, blaugrauer Dunst liegt in den Studios, und nicht umsonst wurde er von Kabarettisten mit dem Pseudonym "Smoky" geehrt.

Die Münsteraner verstehen jedoch bei Verstößen gegen Rauchverbote auch bei Prominenten keinen Spaß. Schauspieler Axel Prahl, der Kommissar Frank Thiel darstellt, musste 2009 ein Verwarnungsgeld von 35 Euro zahlen. Er hatte bei der Vorpremiere seines Münster-"Tatorts" demonstrativ im Kinofoyer gequalmt.

Der Westfälische Friedenspreis wird seit 1998 in Erinnerung an den Westfälischen Frieden von 1648 alle zwei Jahre vergeben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderen der frühere tschechische Präsident Václav Havel und Altkanzler Helmut Kohl.