Sicherheit

Straßenverkehr: Zwei Drittel aller Unfallopfer in Berlin sind Männer

Bericht kritisiert Risikobereitschaft der Fahrer. Senat verfehlt angestrebte Sicherheitsziele deutlich

- Alarmierende Zahlen von Berlins Straßen: Männer werden bei Unfällen in der Stadt deutlich häufiger verletzt als Frauen. Das geht aus dem Verkehrssicherheitsbericht 2012 hervor, den das Berliner Forum für Verkehrssicherheit vorgestellt hat. In allen Altersgruppen und auch bei den schweren Verletzungen dominieren männliche Verkehrsteilnehmer die Statistik. Grund ist nach Ansicht der Experten die deutlich höhere Risikobereitschaft vor allem jüngerer Männer.

Laut Analyse lag der Anteil der Frauen an den Unfallopfern in den vergangenen drei Jahren nur bei etwas mehr als einem Drittel. Das heißt: Fast zwei von drei Unfallopfern in Berlin sind Männer.

Der Verkehrssicherheitsbericht vertieft die Daten der polizeilichen Unfallstatistik aus den Jahren 2009 bis 2011. Unter anderem werden dabei die Bevölkerungsgruppen mit dem höchsten Unfallrisiko identifiziert. Im Durchschnitt der drei Jahre verunglückten im Berliner Stadtgebiet jährlich 1135 Kinder, 362 Jugendliche (15 bis 17 Jahre), 2162 junge Erwachsene (18-24 Jahre), 10.606 Erwachsene und 1493 Senioren (ab 65 Jahre).

Verglichen mit den Mittelwerten aus den Jahren 2002 bis 2004 gab es in fast allen Altersstufen deutliche Rückgänge. So sank die Zahl der verunglückten Kinder um 23 Prozent, die der Jugendlichen sogar um 35 Prozent. Deutlich gestiegen ist in den vergangenen drei Jahren hingegen die Zahl der verletzten Senioren. Sie stieg gemessen am Zeitraum 2002 bis 2004 um 33 Prozent. Die Erklärung der Autoren des Berichts: Weil immer mehr ältere Menschen in Berlin leben, steige ihr Anteil an den Unfallopfern.

Der Bericht gibt auch Aufschluss darüber, welche Gruppen in welchen Verkehrsarten ein hohes Unfallrisiko tragen. Besonders gefährlich ist Berlin demnach für Kinder im Schulalter (sechs bis 14 Jahre), die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind. Unter den Auto- und Motorradfahrern tragen junge Erwachsene das höchste Risiko. Generell sind die 18- bis 24-Jährigen besonders gefährdet, unabhängig davon, ob sie aktiver Verkehrsteilnehmer oder nur Mitfahrer sind. Senioren werden hingegen als Fußgänger besonders oft Opfer von Verkehrsunfällen.

Insgesamt gab es in Berlin zuletzt eine negative Tendenz. Laut polizeilicher Unfallstatistik wurden im Straßenverkehr im Jahr 2011 etwa 17.000 Menschen verletzt; 2000 Menschen wurden auf Berlins Straßen schwer verletzt. Lediglich die Zahl der tödlichen Unfälle sank. 54 Menschen wurden bei Unfällen getötet.

Die neuen Analysen sollen laut Senatsverwaltung für Stadtentwicklung als Grundlage für das künftige Verkehrssicherheitsprogramm dienen. "Verkehrssicherheit muss Priorität haben", sagte Senator Michael Müller (SPD). Die bisherigen Anstrengungen des Senats sollten mit dem überarbeiteten Verkehrssicherheitsprogramm "deutlich intensiviert" werden. Die aktualisierte Strategie solle voraussichtlich Ende 2012 vorliegen.

Das 2005 gestartete erste Berliner Verkehrssicherheitsprogramm war bereits Ende 2010 ausgelaufen. Das angestrebte Ziel, die Zahl der Schwerverletzten im Berliner Straßenverkehr dauerhaft um 30 Prozent zu senken, hat der Senat deutlich verfehlt, wie die Analyse belegt. Ein Jahr nach dem offiziellen Programm-Ende lag die Zahl der Schwerverletzten 2011 mit 2044 sogar um 7,2 Prozent über dem Wert von 2004 (1905 Schwerverletzte).

Lediglich bei den tödlichen Unfällen hat der Senat mit den Maßnahmen den Sollwert erreicht. Von 2002 bis 2004 waren im Jahresdurchschnitt 77 Menschen bei Verkehrsunfällen in Berlin getötet worden. Im jetzt untersuchten Zeitraum von 2009 bis 2011 sank die Zahl auf durchschnittlich 49 Todesopfer pro Jahr.

Dass Fahrradfahrer in Berlin besonders gefährdet sind, zeigte sich erneut am Montagabend: Am Theodor-Heuss-Platz verunglückte ein Radfahrer tödlich. Der zunächst nicht identifizierte Mann wurde gegen 17.40 Uhr von einem Gelenkbus der BVG überrollt und konnte nur noch tot geborgen werden, so ein Polizeisprecher. Nach Zeugenaussagen könnte der Verunglückte trotz roter Fahrradampel gefahren sein. Bei dem Opfer handelt es sich um den 26. tödlich verletzten Verkehrsteilnehmer in Berlin in diesem Jahr.