Geld

Ein Pfund für echte Patrioten

England ist stolz darauf, dass es nicht den Euro als Währung hat, dieses verweichlichte Kontinental-Zahlungsmittel.

- Es ist nicht nur eine Frage der Wirtschaft, sondern auch eine der Ehre, dass auf der Insel weiter auf bewährte Art bezahlt wird. Dieser Nationalstolz bekommt jetzt sozusagen die Version "2.0". Die Stadt Bristol hat sich entschieden, das "Bristol Pound" als alternative Währung einzuführen. "Unsere Stadt, unser Geld" - mit diesem patriotischen Slogan machen die Organisatoren den Bürgern die Zweitwährung schmackhaft. "Das Bristol Pound ist echtes Geld, gemacht, um unabhängige Geschäfte zu unterstützen." Zwar gibt es schon mehrere Lokal-Gelder in England, die in Bristol soll aber die größte werden. Es soll Einer-, Fünfer-, Zehner- und Zwanzigerscheine geben, die am 19. September in Umlauf kommen.

Wer mitmachen will, muss seine üblichen Pfundnoten in Bristol-Noten umtauschen, der Kurs ist eins zu eins. Händler können freiwillig entscheiden, ob sie die Währung annehmen. Wo also, fragt sich der geldgierige Kontinentaleuropäer, liegt der Nutzen für den einfachen Einkäufer? Wer ein Konto in Bristol Pound eröffnet, der erhält einen Fünf-Prozent-Bonus, wenn er auf sein Bristol-Konto einzahlt. Dass dieser Bonus nur bis zu den ersten 100.000 Pfund gilt, dürfte wenige Durchschnittszahler stören. Und so zeigt sich der wahre Sinn: Da das Bristol Pound in der Stadt bleiben muss, profitiert die lokale Wirtschaft, die es gewinnbringend anlegen kann. Das Geld kann zudem nirgendwo anders ausgegeben werden. Und wer würde es schon wagen, die Patrioten-Pfunde wieder gegen schnöde Pounds zurückzutauschen?